C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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Reihe MUSIK & PSYCHE »Die Stimme der Mutter – und der Aufbruch ins Leben« Psychoanalytisches zu Johannes Brahms´ Sonate für Klavier und Violoncello e-moll op. 38

9. Dezember 2017 - 18:00 Uhr
Ev. Kirchenforum (Parochialkirche), Klosterstraße 66, 10179 Berlin
ReferentIn: Jakob Spahn (Berlin), Dr. Jörg Rasche (Berlin)

MUSIK & PSYCHE
mit Jakob Spahn (München), Dr. Jörg Rasche (Berlin) 

Jörg Rasche schreibt uns dazu:

Die e-moll-Sonate ist eines der bekanntesten Werke für Cello, und sie enthält vieles, was die Musik von Johannes Brahms auszeichnet: sie ist tief empfunden, sehr romantisch, und zugleich klassisch in der Form. Brahms hat sie 1862 begonnen und 1865 zu Ende redigiert – im Todesjahr seiner Mutter Christiane. Im selben Jahr komponierte Brahms das hochdramatische Klavierquintett in c-moll und das Deutsche Requiem.

Die Stimme einer Mutter – das war mein erster Eindruck, als ich die Cellosonate vor einigen Jahren kennenlernte. Der tiefe, sonore Klang des Cello, der wunderschöne schweifende erste Satz, der große Rhythmus von Ein- und Ausatmen, all das macht diese Sonate zu einer Ikone. In der musikalischen Sprache scheint sie ein Bild zu zeichnen: das einer liebenden, reifen Frau, die auf ein reiches Leben zurückblickt. Der zweite und der dritte Satz schildern einen Aufbruch. Begonnen hatte Brahms die Komposition noch unter dem Eindruck seiner Liebe zu Clara Schumann – sie hatte sieben Kinder. Doch reine Biographie führt selten ins Zentrum eines Kunstwerks. Es soll versucht werden, die Struktur der Komposition mit dem Erleben von Spieler und Hörer in Beziehung zu setzen. Dabei stoßen wir, vielleicht unerwartet, auf Strukturen, wie wir sie aus der frühesten Kindheit kennen. Manche führen sogar zurück bis in die Zeit vor der Geburt, wenn die Stimme der Mutter zum Gefäß für die ersten Gefühle ihres noch nicht geborenen Kindes wird. Das ist erstaunlich und beglückend. Die e-moll Sonate wird psychoanalytisch/entwicklungspsychologisch gedeutet. Spezielle Kenntnisse sind nicht notwendig.

Violoncello: Jakob Spahn – Klavier und Vortrag: Jörg Rasche

Zu den Personen:

Jakob Spahn wurde 1983 in Berlin geboren. Fasziniert von einer Aufführung des Karneval der Tiere in der Berliner Philharmonie fasste er schon als kleiner Junge den Entschluss, Cellist zu werden. Seinen ersten Unterricht bekam er dann im Alter von sieben Jahren.

Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin bei David Geringas und Claudio Bohórquez. Weitere künstlerische Impulse erhielt er bei Meisterkursen von Frans Helmerson, Bernard Greenhouse, Steven Isserlis und Yo-Yo Ma. Er ist Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe und absolvierte Konzertreisen durch Europa, Asien, Mittel-und Südamerika. Er wurde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Verein Yehudi Menuhin Live Music Now unterstützt. Als Kammermusiker ist er mit renommierten Künstlern wie Wolfgang Meyer, Leonidas Kavakos, Heinz Holliger, Mitsuko Uchida und Lang Lang aufgetreten. Jakob Spahn war Stipendiat in der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Ab der Spielzeit 2011/12 ist er als Solo-Cellist im Bayerischen Staatsorchester engagiert.

Dr. Jörg Rasche ist Psychoanalytiker und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Er studierte in Berlin und Zürich. Er ist Dozent an den Jung-Instituten Berlin und Zürich und Lehrtherapeut der Internationalen Gesellschaft für Sandspieltherapie ISST, außerdem im Vorstand der DGAP und der Berliner C. G. Jung-Gesellschaft. Mit 7 Jahren begann er das Klavierspiel, mit 15 Jahren übernahm er eine Kantorei in seiner Heimatstadt Würzburg. Musikalische Ausbildung erhielt er u.a. bei Herman Schem, Helmut Walcha, Gustav Leonhard und Katia Tchemberdji. Er lebt in Berlin und Steinfurth/Vorpommern. Buchveröffentlichung zur Musik: Das Lied des grünen Löwen. Musik als Spiegel der Seele, 2004.

Ort: Klosterstr. 66
Kostenbeitrag 10 /8 /5 €  (Gäste
/ Mitglieder / Studierende und Erwerbslose)