<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>C.G. Jung Gesellschaft Berlin</title>
	<atom:link href="http://www.jungberlin.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jungberlin.de</link>
	<description>Ein weiterer WordPress-Blog</description>
	<lastBuildDate>Mon, 23 Apr 2012 15:48:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	
		<item>
		<title>Hildemarie Streich, 19.11.1921–12.4.2012</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2012/nachruf-hildemarie-streich/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2012/nachruf-hildemarie-streich/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 15:30:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=741</guid>
		<description><![CDATA[Zusammen mit vielen fr&#252;heren Patienten und Kollegen trauern wir um unser Ehrenmitglied Frau Dr. Hildemarie Streich, die am 12. April verstorben ist. Frau Dr. Streich wirkte &#252;ber Jahrzehnte in Berlin (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zusammen mit vielen fr&uuml;heren Patienten und Kollegen trauern wir um unser Ehrenmitglied Frau Dr. Hildemarie Streich, die am 12. April verstorben ist.</p>
<p>Frau Dr. Streich wirkte &uuml;ber Jahrzehnte in Berlin als Jungianische Therapeutin und Analytikerin. Viele Kolleginnen und Kollegen, die in Berlin ihre analytische Ausbildung gemacht haben, waren daneben auch Klienten von Frau Dr. Streich.</p>
<p>Frau Streich verband ihr psychoanalytisches Wissen und K&ouml;nnen mit einer tief verwurzelten christlichen Gl&auml;ubigkeit. <span id="more-741"></span></p>
<p>Sie stammte aus einem christlichen Elternhaus, das sich in der Nazizeit in engem Kontakt zum Widerstand befand. Ihr Vater Dr. phil. Alfred Peter war eines der ersten Mitglieder des Vers&ouml;hnungsbundes, einer &uuml;berkonfessionellen Vereinigung f&uuml;r V&ouml;lkerfreundschaft, die w&auml;hrend des ersten Weltkrieges entstanden war. Einer der engsten Freunde der Familie war Hermann St&ouml;hr, der wegen seiner Verweigerung des Fahneneides auf Adolf Hitler 1940 in Pl&ouml;tzensee hingerichtet wurde. Der Begr&uuml;nder des Vers&ouml;hnungsbundes Prof. Siegmund-Schulze war Taufpate von Hildemarie. Eng befreundet war die Familie auch mit dem Pfarrer der Schwedischen Gemeinde Birger Forell und mit Pfarrer Harald Poelchau, der dem Kreisauer Kreis zugeh&ouml;rte, jedoch die Verfolgungen &uuml;berlebte. Wegen der Opposition zur Diktatur hatte die Familie gr&ouml;&szlig;te Probleme. Besonders in der Zeit um 1940 gab es viele Haussuchungen der GeStaPo .Beide Eltern verstarben verarmt kurz nach Kriegsende.</p>
<p>Frau Streich engagierte sich noch als Sch&uuml;lerin in einer psychiatrischen Klinik, wo sie f&uuml;r die internierten Patienten musizierte, bis die Klinik durch die Nationalsozialisten aufgel&ouml;st und die Patienten deportiert wurden. 1942 erhielt sie ein Begabtenstipendium und konnte studieren. Sie wurde nach dem Krieg Musiktherapeutin und Dozentin in Berlin, sie schrieb ein Lehrbuch des Fl&ouml;tenspiels, dann er&ouml;ffnete sie eine Praxis in Freiburg. 1954 erhielt sie ein Stipendium f&uuml;r einen Musik-Kongress und Studien in London. 1956 ging sie nach ihrer Heirat mit dem Ingenieur Dr. Rudolf Streich nach Berlin. Dort begann sie die analytisch-therapeutische Ausbildung. Ihre Lehranalytikerin wurde Dr. K&auml;the B&uuml;gler, eine Sch&uuml;lerin C. G. Jungs, die als sog Halbj&uuml;din die Verfolgungen in Berlin verborgen &uuml;berlebt hatte.</p>
<p>Frau Streich galt fr&uuml;h als &uuml;beraus begabte Analytikerin mit gro&szlig;er Intuition. In Berlin gab es damals noch keine geregelte Jungianische Ausbildung. So setzte sie ihre Studien fort am Z&uuml;richer C. G. Jung-Institut bei Marie &#8211; Luise von Franz und hielt mehrmals Vortr&auml;ge bei den Eranos &#8211; Tagungen in Ascona. Ihr Hauptinteressengebiet war die Verbindung von Musik und  Jungscher Psychoanalyse. Sie ver&ouml;ffentlichte wegweisende Studien zu „Musik im Traum“, zu alchemistischer Musik und der Psychologischen Bedeutung der Tonarten. Die Hauskonzerte, die sie zusammen mit ihrem Ehemann Rudolf veranstaltete, waren eine geliebte Institution.</p>
<p>Besonders enge freundschaftliche und fachliche Kontakte pflegte Frau Streich zu James und Hilde Kirsch, die 1933 aus Berlin emigriert waren, und mit dem Basler Biologen Adolf Portmann, der die Leitung der Eranos – Tagungen &uuml;bernommen hatte. Sie war in der internationalen Jungianischen Welt anerkannt und gesch&auml;tzt. 2010 wurde Frau Dr. Streich Ehrenmitglied der neu gegr&uuml;ndeten Berliner C. G. Jung-Gesellschaft.</p>
<p>Wir verlieren mit ihr eine Kollegin und Freundin und eine einzigartige, mutige Frau, die wir nicht vergessen werden.</p>
<p><strong>Die Trauerfeier mit anschlie&szlig;ender Beisetzung findet am Freitag, den 27. April 2012, um 10:00 Uhr auf dem St&auml;dtischen Friedhof Heerstra&szlig;e, Trakehner Alle 1, statt.</strong></p>
<p>F&uuml;r die Berliner C. G. Jung-Gesellschaft<br />
Dr. J&ouml;rg Rasche</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2012/nachruf-hildemarie-streich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sendung &#252;ber »Das Rote Buch« auf RBB</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2011/sendung-ueber-das-rote-buch-auf-rbb/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2011/sendung-ueber-das-rote-buch-auf-rbb/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 15:14:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=611</guid>
		<description><![CDATA[Perspektiven: Die Bibel des Unbewussten. Das Rote Buch von C. G. Jung Von Christiane Henke 16 Jahre lang, von 1914 bis 1930, schrieb der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung an (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Perspektiven: Die Bibel des Unbewussten.<br />
Das Rote Buch von C. G. Jung</h3>
<p>Von Christiane Henke</p>
<p>16 Jahre lang, von 1914 bis 1930, schrieb der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung an einem geheimnisvollen, in rotes Leder gebundenen Traumbuch, das zu seinen Lebzeiten nur wenige Menschen zu Gesicht bekam. Jung betrachtete es sp&auml;ter als Grundlage seines Werks. Publiziert wurde es erst 2009, 48 Jahre nach seinem Tod. In den USA fand es gro&szlig;e Aufmerksamkeit, in Deutschland wenig. Im Gespr&auml;ch mit dem Berliner Analytiker J&ouml;rg Rasche werden Hintergr&uuml;nde der Entstehung und Rezeption des Buches er&ouml;rtert. (Quelle: RBB)</p>
<p><em>Sendetermin: Donnerstag, 17. Februar, 22:04 Uhr, RBB Radio Kultur</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2011/sendung-ueber-das-rote-buch-auf-rbb/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eindr&#252;cke von der Er&#246;ffnungsveranstaltung</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/eindruecke-von-der-eroeffnungsveranstaltung/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/eindruecke-von-der-eroeffnungsveranstaltung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 13:24:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=566</guid>
		<description><![CDATA[Die feierliche Er&#246;ffnungsveranstaltung am 13.11.10 begann mit einem Klavierst&#252;ck von Mozart, vorgetragen von J&#246;rg Rasche. Zur Begr&#252;&#223;ung sprachen dann Pastor Johannes Krug als Hausherr, Robert Wimmer im Namen der DGAP (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die feierliche Er&ouml;ffnungsveranstaltung am 13.11.10 begann mit einem Klavierst&uuml;ck von Mozart, vorgetragen von J&ouml;rg Rasche. Zur Begr&uuml;&szlig;ung sprachen dann Pastor Johannes Krug als Hausherr, Robert Wimmer im Namen der DGAP und Monika Schnell f&uuml;r das C.G. Jung-Institut Berlin. Anschlie&szlig;end f&uuml;hrte G&uuml;nter Langwieler in das Jahresprogramm ein.</p>
<p>Der Festvortrag von Frau Professor Verena Kast „Mitte des Lebens – die dritte Chance, Gedanken zum Individuationskonzept von C.G. Jung“ akzentuierte die Bedeutung und Neuausrichtung in diesem Lebensabschnitt &#8211; nach Geburt und Adoleszenz.</p>
<p>Als &Uuml;bergang zum geselligen Teil bot dann Jean Pacelet (Solo-Akkordeon) mit seiner Komposition „Die Landschaft unter dem Meer“ ein ungew&ouml;hnliches Erlebnis. Es war eine lebendige, gemeinschaftliche Atmosph&auml;re entstanden und bei Imbiss und Umtrunk wurde angeregt weiter diskutiert.</p>
<p>Bei dieser ersten Veranstaltung herrschte besondere Spannung, wie sich der Raum und das Ambiente im Ev. Kirchenforum Stadtmitte auswirken w&uuml;rde. Der Praxistest hat gezeigt, dass  wir mit der Wahl dieser &Ouml;rtlichkeit gro&szlig;es Gl&uuml;ck gehabt haben.</p>
<p>Der Workshop am folgenden Sonntag in kleinerem Kreis brachte jeden Teilnehmer seiner individuellen Fragestellung zum Thema der Lebensmitte nahe, wobei  – wie nebenher &#8211; auch in die Methode der Aktiven Imagination eingef&uuml;hrt wurde.</p>
<p>Schlie&szlig;lich wurde die Er&ouml;ffnung bei sonnig-freundlichem Wetter mit einer historisch reichhaltigen Stadtf&uuml;hrung in die Umgebung der Klosterstra&szlig;e durch den Architekten Peter Grosch beendet.</p>
<h4><strong>Fotostrecke</strong></h4>
<p><em>Zum Vergr&ouml;&szlig;ern bitte anklicken. | © Christina Pautsch</em></p>
<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03569.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-577 colorbox-566" title="Prof. Verena Kast" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03569-553x370.jpg" alt="" width="553" height="370" /></a></p>
<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/01.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-568 colorbox-566" title="Ev. Kirchenforum Stadtmitte" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/01-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03521.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-570 colorbox-566" title="Dr. G&uuml;nter Langwieler" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03521-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03524.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-571 colorbox-566" title="Aufmerksame G&auml;ste" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03524-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03532.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-572 colorbox-566" title="Pastor Johannes Krug" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03532-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03543.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-573 colorbox-566" title="Robert Wimmer (DGAP)" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03543-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03549.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-574 colorbox-566" title="Monika Schnell (C.G. Jung-Institut Berlin)" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03549-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03559.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-575 colorbox-566" title="Dr. G&uuml;nter Langwieler" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03559-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03569.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-577 colorbox-566" title="Prof. Verena Kast" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03569-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03568.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-576 colorbox-566" title="Prof. Verena Kast" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03568-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03573.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-578 colorbox-566" title="Prof. Verena Kast" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03573-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03590.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-579 colorbox-566" title="Prof. Verena Kast und Dr. G&uuml;nter Langwieler" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03590-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03601.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-580 colorbox-566" title="Jean Pacelet" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03601-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03611.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-581 colorbox-566" title="B&uuml;cherstand" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03611-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03623.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-582 colorbox-566" title="G&uuml;nstige Gelegenheit" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03623-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03502.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-569 colorbox-566" title="Buffet" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03502-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03626.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-583 colorbox-566" title="Geselliges Beisammensein" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/11/DSC03626-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a></p>
<p><span style="font-size: small;"><span><em><br />
</em></span></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/eindruecke-von-der-eroeffnungsveranstaltung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Musizieren und Gesundheit</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Aug 2010 14:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=450</guid>
		<description><![CDATA[Es scheint zu unseren menschlichen Anlagen zu geh&#246;ren, dass wir etwas erst ganz erkennen und zu sch&#228;tzen verm&#246;gen, wenn es gerade zu Ende geht oder schon vergangen ist. Die benediktinische (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es scheint zu unseren menschlichen Anlagen zu geh&ouml;ren, dass wir etwas erst ganz erkennen und zu sch&auml;tzen verm&ouml;gen, wenn es gerade zu Ende geht oder schon vergangen ist. Die benediktinische Regel des memento mori (Denke an das Sterben) macht daraus eine Aufgabe: Jeden Augenblick des Lebens so zu leben, als sei er der letzte. Das hei&szlig;t, das Vergehen des Augenblicks zu bejahen, ihn loszulassen, um ihn dadurch ganz und bleibend zu gewinnen. Wir sind in die Zeit hineingeworfen wie in einen Fluss, der uns mitnimmt und nichts l&auml;sst, wie es ist. Ich erinnere mich, wie seltsam ber&uuml;hrt ich in meiner Jugend war, wenn &auml;ltere Menschen in ausgelassener Stimmung sangen: „So ein Tag, so wundersch&ouml;n wie heute, der sollte nie vergehn.“ Ich dachte: Davon kann man doch nicht so fr&ouml;hlich singen, dass dieser Tag vorbei geht. Sollte man nicht davon schweigen? Ich fand diese Erwachsenen sonderbar, um von der Banalit&auml;t der Musik nicht zu reden, &uuml;ber die ich mich erhaben f&uuml;hlte.<br />
<span id="more-450"></span></p>
<p>Dieses ist ein Text &uuml;ber das Musizieren. Ich schreibe ihn f&uuml;r eine Frau, die in mir oft den Eindruck erweckt, als w&uuml;rde sie innerlich immer ein wenig vor sich hin musizieren. Ich glaube etwas wahrzunehmen, was ich von mir selber kenne. Es ist da ein Flie&szlig;en von Energie, das Formen sucht. Formen, die nicht Worte sind, sondern etwas anderes. Es ist wie ein Festhalten, ohne etwas festzuhalten.</p>
<p>Vielleicht ist mancher Leser &uuml;berrascht, dass ein Text &uuml;ber eine so erfreuliche und unkomplizierte Sache wie das Musizieren mit einer Erinnerung an die Verg&auml;nglichkeit beginnt. Ich habe einmal ein altes Spinett kennen gelernt, das sch&ouml;n und liebevoll bemalt war, aber nur einen kurzen, schnell ersterbenden Ton hatte. Auf dem Deckel waren bl&uuml;hende und verwelkende Blumen gemalt und eine Inschrift: memento mori. Passender h&auml;tte keine andere Inschrift sein k&ouml;nnen: Der schnell verklingende Ton des Spinetts war auch ein Symbol. Durch das Spielen und Musizieren wird das Instrument lebendig, wenn es nicht gespielt wird ist es tot. So steht es auch mit uns.</p>
<p>Musik ist eine Kunst in der Zeit, sie gestaltet in der Zeit und hebt damit die Zeit auf. Wir k&ouml;nnen beim Zuh&ouml;ren und Musizieren eine kleine Ewigkeit erleben. Musik entf&uuml;hrt, wie E.T.A. Hoffmann einmal sagte, in ein Zauberreich, in dem die Zeit und die Schwerkraft nicht gelten. Wenn wir einen musikalischen Augenblick erhaschen, eine Melodie, einen interessanten oder sch&ouml;nen Klang, eine dramatische Stimmf&uuml;hrung, den Wechsel von Ton und Pause erleben, das Gegenspiel von hinauf und hinab, von lang und kurz oder von laut und leise – dann k&ouml;nnen wir dieses Paradox erleben, dass gerade die Kunst, die in und mit der Zeit stattfindet, die Zeit zum Verschwinden bringt. Diese gelebten Augenblicke kann uns aber niemand nehmen. Es ist, als w&uuml;rden wir in eine Art Ewigkeit eintauchen. Wer es einmal erlebt hat, sucht diesen Eingang zur t&ouml;nenden Ewigkeit sein ganzes Leben.</p>
<p>Das Musizieren ist eine der &auml;ltesten Besch&auml;ftigungen der Menschheit, und noch das kleine M&auml;dchen am h&auml;uslichen Klavier oder der Jugendliche, der in seinem Zimmer eine Wagner-Oper heimlich mitdirigiert (was ebenso eine Form des Musizierens ist), hat Anteil an der Magie und der strukturierenden Kraft der Musik. F&uuml;r die alten Babylonier, die &Auml;gypter, vor allem aber f&uuml;r die Inder und Griechen war klar, dass Musizieren und Gesundheit zusammengeh&ouml;ren. Die Griechen musizierten als Dienst an den Musen, in dem sie sich an dem beteiligten, was die Musen tun.  Die Musen waren die G&ouml;ttinnen des Gesanges, des Instrumentalspiels, des Tanzes, der Dichtung, des Theaters und der Malerei. All diese G&ouml;ttinnen machten Musik auf ihre Art und Weise, und sie trugen damit zu dem Ausgleich der Kr&auml;fte im Kosmos und in den Menschen bei. Musizieren war eine notwendige und friedenstiftende T&auml;tigkeit in einem sehr umfassenden Sinn. Harmonia, eine der Musen, galt als Tochter der Liebesg&ouml;ttin Aphrodite und des Kriegsgottes Ares, sie vers&ouml;hnte die gegens&auml;tzlichen Kr&auml;fte und Energien ihrer Eltern.</p>
<p>Die kosmologische Wahrheit und Kraft des Musizierens k&ouml;nnen wir heute noch erleben, wenn wir zum Beispiel ein Instrument stimmen (oder im Konzert einen Musiker dabei erleben). Das Wissen darum verdanken wir dem griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras, der vor ca. 2400 Jahren (!) zeigte, dass der harmonische Klang einer Konsonanz (Oktav, Quint, Quart, Terz) auf  nat&uuml;rlichen Proportionen beruht, die &uuml;berall in der Welt der Natur gelten. Die Lyras und Kitharas der Griechen hatten Stimmwirbel an jeder Saite, und die Griechen stimmten ihre Instrumente so im Einklang mit dem Kosmos. Sie brachten sie (und damit sich selbst) beim Spielen in Resonanz mit den archetypischen Schwingungen des Kosmos der G&ouml;tter. Dieses Prinzip gilt f&uuml;r alle anderen Musikkulturen der Welt, die teilweise daraus eine andere tonale Ordnung abgeleitet haben – so wie es verschiedene Vorstellungen von G&ouml;ttern gibt.</p>
<p>Musizierende Menschen werden mir beistimmen, wenn ich sage, dass schon das Stimmen des Instruments eine Art heilende Wirkung haben kann. Ich kann aus meinem eigenen Erleben berichten. Wenn ich mir Zeit nehme und mein Cembalo einmal in allen Registern richtig durchstimme, dann scheint sich etwas zu ver&auml;ndern. Sie werden lachen, aber manchmal glaubte ich sogar zu erfahren, dass das Wetter &uuml;ber mir besser wird, wenn ich mein Instrument stimme. Von Brahms berichtet man, dass es zu regen begann, sooft er ein bestimmtes Musikst&uuml;ck spielte. Ich vermute, dass solche Anekdoten etwas damit zu tun haben, dass eine bestimmte innere Ordnung die Wahrnehmungen ver&auml;ndert und manches dadurch einfacher erscheint – oder auch einfacher wird. Bekannt ist die Geschichte vom Regenmacher, die Erich Neumann &uuml;berliefert hat: Der ersehnte Regen kam, nachdem der eigens herbeigeholte alte Mann drei Tage in einer H&uuml;tte am Rande des Dorfes geblieben war und „in sich erst einmal Ordnung gemacht hatte“. Novalis sagte, jede Krankheit sei ein musikalisches Problem, und Gesundung sei die Aufl&ouml;sung dieses Problems.</p>
<p>Heute ziehen wir gerne naturwissenschaftliche Erkenntnis zur Erkl&auml;rung von Ph&auml;nomenen heran, die fr&uuml;here Zeiten als magisch oder religi&ouml;s erlebten. Das Musizieren wirkt auf die Funktionsweise unseres Gehirns. Konsonanzen sind Naturgesetze, und die Herbeif&uuml;hrung einer Konsonanz beruhigt. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass durch das Musizieren die Balance zwischen den Hemisph&auml;ren unseres Gehirns so sehr ge&uuml;bt und trainiert wird, dass bei Musikern die entsprechenden Nervenbahnen (das corpus callosum) deutlich st&auml;rker ausgebildet sind als bei Leuten, die nicht selbst Musik machen. Das Musizieren wirkt jedoch auch auf tiefere Hirnregionen. Der genaue Mechanismus ist noch nicht belegt. Die Proportionen, nach denen Kl&auml;nge mit Obert&ouml;nen aufgebaut sind, sind die gleichen, die wir in Mandalas beobachten k&ouml;nnen, und diese wiederum lassen sich als Rep&auml;sentationen von Ordnungsvorg&auml;ngen im Hirnstamm wiederfinden. Wenn musikalisch „Ordnung geschaffen“ wird, das hei&szlig;t Kl&auml;nge nach bestem Verm&ouml;gen und mit Freude in harmonische Beziehung gebracht werden, dann ordnet sich buchst&auml;blich das Chaos im Gehirn – in solchen Strukturen, wie sie bildlich als Mandala-Anordnungen bekannt sind. Beobachtungen von spontanen Mandalavisionen als heilende Kompensation von neurologischem Chaos (zum Beispiel durch amerikanische Psychiater 1950) haben C.G.Jung dazu bewegt, von  archetypischen Strukturen auf der Schwelle von somatischem und symbolischem Geschehen zu sprechen.<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#footnote_0_450" id="identifier_0_450" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Z.B. in GW 3, &sect; 582">01</a></sup></p>
<p>Musizieren schult die Motorik und die Intelligenz. Es weist auf Spannungen hin (davon wissen vor allem S&auml;nger und Fl&ouml;tisten, aber auch andere Instrumentalspieler) und es l&ouml;st sie, wenn man richtig musiziert und Leib und Seele in Schwingung versetzt. Musik hat n&auml;mlich sehr viel mit k&ouml;rperlichen Rhythmen zu tun, mit dem Ein- und Ausatmen, dem Puls des Herzens, mit dem abwechselnden Schreiten der Beine und dem Schwingen der Arme. Eine gute Instrumentaltechnik ist die, welche die nat&uuml;rlichen Bewegungsabl&auml;ufe und die Bewegungen beim Spielen einer Komposition maximal angleicht. Dann wird das Instrument zum Freund und Begleiter in allen Lebenslagen, und sein Klang zu einer Heimat, einer Art &Uuml;bergangsraum zwischen dem t&auml;glichen Leben hier und der Zeitlosigkeit der anderen Welt.</p>
<p>Musizieren ist daher auch eine Form der Meditation. Genau genommen: Es gibt so viele Formen dieser Meditation, wie es Weisen des Musizierens gibt, nach Noten oder ohne Noten, gemeinsam oder allein, im Spielen einzelner T&ouml;ne (wie oft am Anfang deines Instrumentalunterrichts), beim Chorgesang oder auch nur beim Mitsingen eines Liedes aus dem Radio. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist das Atmen. Eine Musik, die nicht atmet, k&ouml;nnte von Maschinen gemacht sein, und sie wird vom H&ouml;rer nicht gut aufgenommen. Wir strukturieren so etwas in uns, das unserem Bewusstsein m&ouml;glicherweise gar nicht zug&auml;nglich ist, wobei jedoch wichtig erscheint, dass wir selber aktiv es tun. Oft ist uns ja bei unserem Erleben und Handeln gar nicht klar, wie weit wir dabei hinabreichen in archetypisches Erleben. Eine interessante Parallele zum Atmen beim Musizieren wird von indischen Asketen berichtet, die durch eine bestimmte Atemtechnik die „Zeit zum verschwinden bringen“ k&ouml;nnen. Es ist eine Meditation tantrischer Yogis, die darin besteht, den Atem zu strukturieren, um eine T&uuml;r zu &ouml;ffnen, durch die der Yogi aus unserer Zeit heraustreten kann in die kosmische Zeit, die nicht „abl&auml;uft“, sondern „ist“. Mircea Eliade, dem ich diesen Hinweis verdanke, vergleicht das mit dem mythischen Bild des Eies, dessen Schale vom Buddha durchsto&szlig;en wird. „Dasselbe widerf&auml;hrt dem Yogin, der seinen Atem ‚konzentriert‘: er durchst&ouml;&szlig;t das Geh&auml;use seines Mikrokosmos, er tanszendiert die bedingte Welt, die in der Zeit existiert.“<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#footnote_1_450" id="identifier_1_450" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eliade, Mircea (1952), Ewige Bilder und Sinnbilder, Insel 1998, S. 100">02</a></sup></p>
<p>Unser Musizieren hat oft einen anderen sozialen Aspekt: Man trifft sich, und man tut etwas gemeinsam, was sichtlich keinen anderen Zweck erf&uuml;llt, als Freude zu machen. Man muss (oder darf – wie beim meditieren) nicht allzu viel dabei denken oder reden. Die Musik ist eine „Sprache ohne Worte“, selbst wenn dabei Worte gesungen werden.</p>
<p>Bei uns heute wird wenig gesungen, vielleicht wegen des Missbrauchs der alten Lieder in den totalit&auml;ren Systemen der Nazizeit oder der DDR, oder weil sie dem Lebensgef&uuml;hl heute nicht mehr entsprechen. Es gibt jedoch kulturelle Orte, in denen gesungen wird: Die Kirchen und Chorgemeinschaften. Jeder Chors&auml;nger wei&szlig; es: Dem gemeinsamen Singen einer Bach-Motette oder des Mozart-Requiems ist nichts vergleichbar. In dem wogenden Klang die eigene Stimme zu verfolgen und beizutragen zum Tanz der Melodien und Harmonien ist wie ein Abglanz einer anderen Welt, in der jede einzelne Stimme z&auml;hlt. Daher kommt es auch, dass diese Musik nicht kompromittiert und nicht kompromittierbar ist: Mit Bach hat sich noch kein Diktator wirklich schm&uuml;cken k&ouml;nnen. Es liegt das in der polyphonen Struktur dieser Musik begr&uuml;ndet, und sicher ist es kein Zufall, dass das polyphone Singen kulturgeschichtlich mit Gemeinschaft zu tun hat, vor allem der Entwicklung demokratischer Gesinnung in den freien St&auml;dten des Mittelalters.<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#footnote_2_450" id="identifier_2_450" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Rasche, J&amp;ouml;rg, Das Lied des Gr&amp;uuml;nen L&amp;ouml;wen. Musik als Spiegel der Seele, Patmos/Walter 2004,  pass.">03</a></sup></p>
<p>„Das stillvergn&uuml;gte Streichquartett“, zu dem man ein Mal in der Woche zusammenkommt, kann eine Oase des Friedens und des Humors werden. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – diese Erfahrung hilft und stimuliert die Vorfreude auf das gemeinsame Musizieren und das &Uuml;ben zu hause. Es schult die Konzentration, die R&uuml;cksichtnahme, die sog. „Soziale Intelligenz“ (das ist kein musikalischer Ausdruck) ebenso wie die Fingerfertigkeit, die rhythmische Sicherheit, und erneuert regelm&auml;&szlig;ig die Erfahrung, dass man sich daf&uuml;r auch die Zeit nehmen und eine Verabredung treffen muss. Viele kluge Leute mit einer reichen Pers&ouml;nlichkeit haben so musiziert, ohne daraus einen Beruf zu machen, von Friedrich dem Gro&szlig;en bis zu Einstein oder Max Planck. Das Streben nach Vollkommenheit, in welchem Rahmen auch immer, hat dabei einen transzendenten Aspekt, den man leicht vergisst, weil Musik eben davon nicht spricht, sondern musiziert.</p>
<p>Ich m&ouml;chte abschlie&szlig;end darauf eingehen, weil es eine Br&uuml;cke zum Ausgangspunkt dieser &Uuml;berlegungen bildet. In den Musikst&uuml;cken, auch denen eines „stillvergn&uuml;gten Streichquartetts“, geht es in der Tiefe um gro&szlig;e Themen, die man so durcharbeitet, ohne es eigentlich zu wissen. Die gro&szlig;e Literatur ist ja auch nicht als Selbstzweck oder f&uuml;r den Markt geschrieben worden, sondern aus einem Bed&uuml;rfnis heraus, dem inneren Drang und der Gabe, existentielle Probleme in eine musikalische Form zu bringen. Komponieren ist, genauso wenig wie Musizieren, eine Pathologie, sondern ein bestimmter Weg, die eigene Individuation zu gestalten. Daran wiederum erfreut sich, w&uuml;rde Goethe sagen, der kosmische Geist. C. G. Jung hat einmal die „Kunst der Fuge“ von J. S. Bach als „aufgeschriebene aktive Imagination“ bezeichnet, wie sie einen Menschen sch&ouml;pferisch mit den Kr&auml;ften des eigenen Weges verbinden kann. Musikst&uuml;cke sind Antworten auf Fragen, wobei den Komponisten eben mehr oder weniger einf&auml;llt. Die Fragen, um die es geht, besch&auml;ftigen uns alle.</p>
<p>Ich hatte eingangs vom memento mori gesprochen und davon, wie Musik die Zeit zum Verschwinden bringen kann. Diese Aufgabe, wenn man so will, ist der Musik erst im Laufe unserer Kulturentwicklung zugewachsen, n&auml;mlich in der Neuzeit, die etwa seit 1200 eine neue Qualit&auml;t der „Zeit“ gebracht hat. Die Menschen des Mittelalters vorher musizierten, &auml;hnlich wie in der Antike, in einer zeit- und geschichtslosen Gegenwart, n&auml;mlich dem Reich Gottes auf Erden. Die Musik bildete die g&ouml;ttliche Ordnung des Kosmos ab und war so ein Ausdruck der Sicherheit, dass im Grunde Alles auf der Welt seinen richtigen Ort hatte und Teil des Heilsgeschehens war. Mit dem Zusammenbruch des kirchlichen / ptolem&auml;ischen Weltbildes ist diese geordnete Welt aus den Fugen geraten und zusammengebrochen, und wir haben gewisserma&szlig;en bis heute den Schock nicht &uuml;berwunden, erkennen zu sollen, dass wir sinn- und zwecklose Lebewesen auf einem zuf&auml;lligen Planeten sind, der durch ein sich ausdehnendes Weltall rast, und dass da kein guter Gott im Himmel ist, oder &uuml;berhaupt nicht existiert, wenn nicht in uns selber. Johannes Kepler (der schrieb, dass die Planeten „musizieren“, und der deren „Partitur“ rekonstruierte) oder J. S. Bach waren noch erf&uuml;llt vom alten Geist. In der Musik Bachs finden wir etwas wieder von jener verlorenen Geborgenheit, die nicht unsere jagende Zeit kennt, und man hat gesagt, dass sich mit Bach die Religion, aus der ratlosen Theologie, in die Musik „gerettet“ habe. Doch kein Orgelkonzert und keine H-Moll-Messe k&ouml;nnen dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass unsere Welt mit ihren Kriegen, dem globalisierten Elend und den &ouml;kologischen Katastrophen in einen heillosen Zustand geraten ist, in dem sich ein „stillvergn&uuml;gtes Streichquartett“ seltsam ausnimmt. Das ist mir klar. Und doch hat Musik hier etwas zu sagen, das zur Genesung beitragen mag.</p>
<p>Im Werk eines der wichtigsten Theologen unserer Zeit, n&auml;mlich Karl Barth, steht Musik an besonderer Stelle. Es ist Mozart, dessen Musik Barth in seiner „Kirchlichen Dogmatik“ als eine gro&szlig;e Theodizee bezeichnet. Ich zitiere Jakob Taubes, der &uuml;ber die Theologie nach der kopernikanischen Wende und insbesondere &uuml;ber Karl Barth gearbeitet hat. „Warum geh&ouml;rt Mozarts Musik in die Theologie, obgleich Mozart weder ein ‚Kirchenvater‘ noch ein besonders beflissener Christ war? Weil Mozarts Musik (so Barths Antwort) eine gro&szlig;e Theodizee ist. Er hat etwas davon gewusst, dass die gesamte Sch&ouml;pfung gut ist (&#8230;) Er fand Frieden mit Gott, einen Frieden, der h&ouml;her ist denn alle lobende, tadelnde, kritische oder spekulative menschliche Vernunft. Mozart l&auml;sst uns in seiner Musik ‚h&ouml;ren‘, was wir am Ende unserer Tage sehen werden: Die Fuge der Ko-ordination, die wieder zusammen gef&uuml;gte Welt.“<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#footnote_3_450" id="identifier_3_450" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Taubes, Jacob, Vom Kult zur Kultur, Wilhelm Fink verlag 1996, S. 224">04</a></sup> Genau das ist es, was Musizieren erleben l&auml;sst, ob wir es jetzt selber gestalten, oder ob wir andere beim musizieren erleben. Es ist ein Trost, bei dem wir mithelfen k&ouml;nnen in der Hoffnung, die Welt (so weit wir reichen k&ouml;nnen) ein wenig wieder zusammen zu f&uuml;gen.<br />
Karl Barth selber<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/#footnote_4_450" id="identifier_4_450" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="in: Kirchliche Dogmatik, zit. nach Taubes, a.a.O. S. 225">05</a></sup> schreibt &uuml;ber Mozart, und er erfasst damit wesentliches auch von der Heilsamkeit des Musizierens:</p>
<blockquote><p>„Er hat den Einklang der Sch&ouml;pfung geh&ouml;rt, zu der auch das Dunkel geh&ouml;rt, in welcher aber auch das Dunkel keine Finsternis ist, auch der Mangel, der doch kein Fehler ist, auch die Traurigkeit, die doch nicht zur Verzweiflung werden kann, auch das D&uuml;stere, das noch nicht zur Tragik entartet, die unendliche Wehmut, die doch nicht unter dem Zwang steht, sich selbst absolut setzen zu m&uuml;ssen – aber eben darum auch die Heiterkeit, aber auch ihre Grenzen, das Licht, das darum so strahlt, weil es aus dem Schatten hervorbricht, die S&uuml;&szlig;igkeit, die auch herbe ist und darum keinen &Uuml;berdruss nach sich zieht, das Leben, das das Sterben nicht f&uuml;rchtet, aber sehr wohl kennt.“</p></blockquote>
<strong>Fu&szlig;noten</strong><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_450" class="footnote">Z.B. in GW 3, § 582</li><li id="footnote_1_450" class="footnote">Eliade, Mircea (1952), Ewige Bilder und Sinnbilder, Insel 1998, S. 100</li><li id="footnote_2_450" class="footnote">Rasche, J&ouml;rg, Das Lied des Gr&uuml;nen L&ouml;wen. Musik als Spiegel der Seele, Patmos/Walter 2004,  pass.</li><li id="footnote_3_450" class="footnote">Taubes, Jacob, Vom Kult zur Kultur, Wilhelm Fink verlag 1996, S. 224</li><li id="footnote_4_450" class="footnote">in: Kirchliche Dogmatik, zit. nach Taubes, a.a.O. S. 225</li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/musizieren-und-gesundheit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>»Mit etwas mehr Verst&#228;ndnis f&#252;r die Psyche w&#228;ren wir heute nicht in solchen Schwierigkeiten«</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/mit-etwas-mehr-verstaendnis-fuer-die-psyche-waeren-wir-heute-nicht-in-solchen-schwierigkeiten/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/mit-etwas-mehr-verstaendnis-fuer-die-psyche-waeren-wir-heute-nicht-in-solchen-schwierigkeiten/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 07:48:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=475</guid>
		<description><![CDATA[Das nachfolgende Interview f&#252;hrte ich mit Dr. Thomas B. Kirsch am 10. Juli 2008 bei seinem Besuch in Berlin. Es erschien erstmals in: Henning Weyerstra&#223;/Dieter Klein: Jung heute. K&#246;ln, 2008. Thomas Kirsch (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das nachfolgende Interview f&uuml;hrte ich mit Dr. Thomas B. Kirsch am 10. Juli 2008 bei seinem Besuch in Berlin. Es erschien erstmals in: Henning Weyerstra&szlig;/Dieter Klein: Jung heute. K&ouml;ln, 2008.</p>
<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/09/pautsch_kirsch-300x2221.jpg"><img class="size-full wp-image-495 alignleft colorbox-475" title="Christina Pautsch &amp; Thomas Kirsch" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/09/pautsch_kirsch-300x2221.jpg" alt="" width="175" height="130" /></a>Thomas Kirsch ist Psychiater und Jung‘scher Anytiker aus Kalifornien, der vielen v.a. durch sein Buch »C.G. Jung und seine Nachfolger« bekannt geworden ist. Als Sohn der beiden Analytiker erster Generation James und Hilde Kirsch, die ihre analytische Arbeit in den 1930er Jahren bei Jung in Z&uuml;rich begannen, ist er mit der Analytischen Psychologie quasi gro&szlig; geworden.</p>
<p>In unserem Gespr&auml;ch befragte ich Thomas B. Kirsch zu den Themen, die mich als Kulturwissenschaftlerin mit Jung&#8217;scher Pr&auml;gung besonders interessierten. <span id="more-475"></span></p>
<hr /><em>CP: Mr. Kirsch, ich war sehr neugierig als mir Ihr Buch »C.G. Jung und seine Nachfolger«<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/mit-etwas-mehr-verstaendnis-fuer-die-psyche-waeren-wir-heute-nicht-in-solchen-schwierigkeiten/#footnote_0_475" id="identifier_0_475" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Thomas B. Kirsch (2000): C. G. Jung und seine Nachfolger. Die internationale Entwicklung der Analytischen Psychologie, Psychoszial-Verlag">01</a></sup> in die H&auml;nde fiel, in dem Sie die weltweite Entwicklung der Jung‘schen Gemeinschaft nachzeichnen. Das Buch ist nunmehr zehn Jahre alt. Was hat sich seit seinem Erscheinen ver&auml;ndert?</em></p>
<p>TBK: In den letzten zehn Jahren? Schwierige Frage. Eine wichtige Sache ist sicherlich, dass die IAAP neue Entwicklungsgruppen &uuml;berall auf der Welt er&ouml;ffnet hat. Zum Beispiel gibt es jetzt offizielle Jung‘sche Gruppen in Russland und in S&uuml;dkorea, es gibt Gruppen in China, Festland-China und Hongkong als separate Gruppe. Die Verbreitung Jung‘scher Gedanken in der Welt hat vor allem in den ehemaligen Ostblock-Staaten und Asien stark zugenommen. Damit ist eine gro&szlig;e Ver&auml;nderung im Hinblick auf die &auml;u&szlig;ere Struktur der Jung‘schen Gemeinschaft verbunden.</p>
<p>Was sich intern entwickelt hat, ist ein enorm wachsendes Interesse an der Neurowissenschaft. Unter Jungianern geht es immer mehr darum, wie sich Neurowissenschaft und Jung‘sche Psychologie integrieren oder assimilieren lassen und welche Auswirkungen die Erkenntnisse der Neurowissenschaft auf Jungs Theorien haben. Es gibt im Moment viele Leute in der Jung‘schen Welt, die versuchen aufzuzeigen, dass die Neurowissenschaft Jungs Theorie der Archetypen belegt.</p>
<p>Andererseits gibt es da aber auch das Konzept der Emergenz – ein gro&szlig;es, neues Feld in der Neurowissenschaft und in den Wissenschaften allgemein. Chaostheorie, Neurowissenschaft, komplexe adaptive Systeme, oder wie auch immer man diese neuen Schlagworte nennen will, bringen die M&ouml;glichkeit mit sich, Jungs Theorien umzuw&auml;lzen und einige von ihnen sogar komplett auf den Kopf zu stellen. Das Wesen des Archetyps ist die Grundlage f&uuml;r eine essentialistische Struktur. Die Emergenz-Theorie geht jedoch davon aus, dass ein geringes Ma&szlig; an Interaktion daf&uuml;r verantwortlich ist, in einer vorherbestimmten Art und Weise ein Bild aus dem Archetyp zu formen. Diese Art der Betrachtung w&auml;re sehr viel dynamischer als unser bisheriges Verst&auml;ndnis, das vom Archetyp als einer angeborenen Struktur ausgeht.</p>
<p><em>CP: In Ihrem Buch beschreiben Sie eine starke Tendenz der Jungianer, sich immer mehr einer entwicklungspsychologischen Sichtweise zuzuwenden und den traditionellen Pfad des Archetypischen zu verlassen. Mir erscheint es so, als ob es heute kaum noch eine Jung‘sche Diskussion &uuml;ber kulturelle, soziale oder politische Ph&auml;nomene gibt. Sehen Sie da irgendeine Art von Gef&auml;hrdung f&uuml;r die Jung‘sche Psychologie, wenn ihre kulturelle Verbindung, der kulturelle Dialog verloren geht?</em></p>
<p>TBK: Ich muss Ihrer Interpretation widersprechen. Gerade komme ich von einer Konferenz in Z&uuml;rich, in der es um modernen Symbolismus in Kultur und Politik ging. In der Tat habe ich dort an einer Diskussion &uuml;ber die politischen Konsequenzen der Jung‘schen Psychologie teilgenommen. Eine Sache, die auf der Konferenz besonders hervorkam, war die Bedeutung der politischen Psyche f&uuml;r die individuelle, eher traditionell Jung‘sche Psyche. Wir alle unterhielten uns dar&uuml;ber, was da doch f&uuml;r ein Wandel erkennbar ist, wie viel mehr sich Jungianer heute mit kulturellen und politischen Fragen besch&auml;ftigen als noch vor 20 oder 30 Jahren. Also wenn Sie mich fragen ist es fast schon etwas zu viel! (lacht)</p>
<p>Lassen Sie mich erw&auml;hnen, am 18. Oktober dieses Jahres werden wir in San Francisco eine Konferenz &uuml;ber die Politik der Pr&auml;sidentschaftswahl veranstalten. Der ehemalige Senator und Pr&auml;sidentschaftskandidat Bill Bradley, der 2000 gegen Al Gore antrat, wird unser Gast sein, wir erwarten Betty Sue Flowers, die Leiterin des Lyndon Baines Johnson Library and Museum der Universit&auml;t von Texas, Andrew Samuels wird da sein, eine der Schl&uuml;sselfiguren der politischen Psyche, au&szlig;erdem Tom Singer und ich. Gemeinsam werden wir uns &uuml;ber Politik und die Pr&auml;sidentschaftswahl, &uuml;ber die Psyche und den Pr&auml;sidenten unterhalten. All das wird sehr politisch werden. Die Konferenz wird zwei Wochen vor den amerikanischen Wahlen stattfinden, sodass wir hoffentlich auf maximales Interesse sto&szlig;en.</p>
<p><em>CP: Dann hoffe ich, dass Sie f&uuml;r gute PR und gute Journalisten sorgen!</em></p>
<p>(beide lachen)</p>
<p>TBK: Ja, das hoffe ich auch! Ich habe es auf der Konferenz in Z&uuml;rich erw&auml;hnt, jetzt wissen Sie davon, es gibt einen Flyer&#8230; Vielleicht wollen Sie ja kommen! Dann werden Sie sehen, wie politisch die Jung‘sche Welt heute tats&auml;chlich ist – und zwar im eigentlichen Sinne, nicht nur was die interne Jung‘sche Politik betrifft. Das ist spannend, denn in den USA sind wir sehr stark mit der &auml;u&szlig;eren politischen Lage besch&auml;ftigt.</p>
<p><em>CP: Ist das vielleicht ein spezielles Ph&auml;nomen der amerikanischen Jungianer oder beobachten Sie dieses Engagement auch in anderen L&auml;ndern?</em></p>
<p>TBK: Andrew Samuels zum Beispiel lebt in Gro&szlig;britannien und ist sehr engagiert. Am Freitag hielt er eine zweit&auml;gige Vorlesung anl&auml;sslich des 60. Geburtstags des Nationalen Gesundheitssystems in Gro&szlig;britannien. Au&szlig;erdem war er mehrere Jahre als Berater f&uuml;r die Labour Partei t&auml;tig. Ich wei&szlig; nicht, wie es hier aussieht, aber ich kann Ihnen sagen, es gibt ein gro&szlig;es politisches Interesse unter Jungianern, nicht nur in den USA.</p>
<p><em>CP: Langezeit gab es keinerlei Verbindung zwischen dem akademischen Leben und der Jung‘schen Gemeinschaft. Sie erw&auml;hnten vorhin, dass Jungianer und Neurowissenschaftler gerade miteinander ins Gespr&auml;ch kommen&#8230;</em></p>
<p>TBK: Lassen Sie mich kurz unterbrechen um zu erw&auml;hnen, dass es da eine neue Organisation namens International Association for Jungian Studies (IAJS) gibt.</p>
<p><em>CP: Darauf wollte ich gerade zu sprechen kommen, da die IAJS ja u.a. gegr&uuml;ndet wurde, um den Dialog zwischen Jungianern und der akademischen Welt zu verbessern. Was sind denn die dringlichsten Fragen, die Jungianer und Wissenschaftler k&uuml;nftig gemeinsam bearbeiten sollten?</em></p>
<p>TBK: Ein paar Dinge habe ich ja schon angesprochen. Im Jahr 1968 schrieb ich einen Artikel &uuml;ber die Beziehung zwischen dem Rapid Eye Movement-Zustand (REM), der Biologie des Traums und Jung‘scher Psychologie.<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/mit-etwas-mehr-verstaendnis-fuer-die-psyche-waeren-wir-heute-nicht-in-solchen-schwierigkeiten/#footnote_1_475" id="identifier_1_475" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Thomas B. Kirsch (1968): The Relationship of the REM to Analytical Psychology, American Journal of Psychiatry, 124, S. 1459-63">02</a></sup> Er wurde im American Journal of Psychiatry ver&ouml;ffentlicht und sp&auml;ter von Dr. William Dement, einem der REM-Pioniere, zitiert. Der Artikel genoss durchaus hohe Beachtung. Doch diese Herangehensweise, die Art von Vergleich, die ich 1967/68 machte, w&auml;re heute nicht mehr m&ouml;glich. Einen solchen Sprung von der Wissenschaft hin zu dem, was f&uuml;r uns so sehr nach Jung klingt, kann man heute einfach nicht mehr machen. Auf der Konferenz, die ich w&auml;hrend meines Europa-Aufenthaltes gerade besucht habe, gab es reichlich Diskussionen dar&uuml;ber, wie sich die Wissenschaften verschr&auml;nken und mit Jungs Theorien verbinden lassen. Bislang ist das noch unklar.</p>
<p><em>CP: Gibt es neben der Neurowissenschaft noch andere Themen, zu denen sich Jungianer und Wissenschaftler austauschen sollten? Sozialwissenschaftliche zum Beispiel?</em></p>
<p>TBK: Wenn man sich all die ethnischen Konflikte in der Welt ansieht, ist f&uuml;r mich offensichtlich, dass Jung uns viel dar&uuml;ber erkl&auml;ren kann, warum diese Dinge emotional so aufgeladen sind. Im kulturellen oder kollektiven Unbewussten gibt es etwas, das von den Menschen Besitz ergreift. Etwas Unbewusstes, das in der Welt arbeitet. Ich denke, mit etwas mehr Verst&auml;ndnis f&uuml;r die historischen und kulturellen Aspekte der Psyche w&auml;ren wir heute nicht in solchen Schwierigkeiten.</p>
<p><em>CP: W&auml;hrend der vergangenen Jahre fiel mir auf, dass es in der Bev&ouml;lkerung ein wachsendes Interesse an pers&ouml;nlicher Entwicklung und spirituellen Themen gibt. Jedes Jahr kommen unz&auml;hlige neue B&uuml;cher dar&uuml;ber auf den Markt, Menschen besuchen Seminare &uuml;ber Pers&ouml;nlichkeitswachstum, sie konsultieren Coaches, Berater usw. Viele dieser Dinge geschehen au&szlig;erhalb eines klinischen Kontexts. F&uuml;r mich hat es den Anschein, als hielten viele Menschen heute Ausschau nach psychologischer Unterst&uuml;tzung, bevor psychische Krankheiten auftauchen. Das sollte f&uuml;r Jungianer doch eigentlich interessant sein. Welche Rolle kann die Jung‘sche Psychologie in dieser Entwicklung spielen? </em></p>
<p>TBK: Sie sagten, all dies w&uuml;rde »vor der psychischen Krankheit« passieren. Ich w&uuml;rde behaupten, viele dieser Methoden werden angewandt wenn sich eine psychische Erkrankung bereits entwickelt hat. Insofern fungieren diese Aktivit&auml;ten als Therapie-Ersatz.</p>
<p><em>CP: Gewiss nicht immer. Viele Menschen beginnen, sich aktiv nach dem Sinn ihres Lebens zu fragen, sie f&uuml;hlen sich nicht erf&uuml;llt mit dem was sie tun, nehmen vielleicht einen inneren Ruf nach Ver&auml;nderung wahr und versuchen, ihn zu reflektieren. Die Jung‘sche Psychologie k&ouml;nnte ein gro&szlig;artiger Begleiter in diesem Prozess sein.</em></p>
<p>TBK: Ja, Sie haben recht. Was wir in der modernen Welt aber auch immer st&auml;rker vorfinden, ist der Wunsch nach schnellen Antworten. Ich bin sehr erfreut, wenn Menschen feststellen, dass Jung einer der fr&uuml;hen Pioniere war, die der spirituellen Seite des Menschen Beachtung schenkten und der als einer der ersten erkannte, dass das Selbst ein prim&auml;rer Faktor in der menschlichen Psyche ist, welcher sich nicht auf Sex oder Aggression reduzieren l&auml;sst, wie Freud es tat.</p>
<p>Auch freut es mich, wenn sich Menschen Jung zuwenden, um Antworten zu finden. Sie stellen fest, dass Jung &uuml;ber einige ihrer Fragen etwas geschrieben hat. Manche von ihnen gehen dann in Jung‘sche Analyse, andere wiederum finden etwas, das schneller geht. Wenn Menschen auf Jung sto&szlig;en und dann erkennen, dass Entwicklung Zeit braucht und sie sich mit ihrem Schatten auseinandersetzen m&uuml;ssen, tendieren sie dazu, um die Jung‘sche Psychologie einen Bogen zu machen – oftmals zugunsten eines Ansatzes, der sich zwar in gewisser Weise auf Jung beruft, gleichzeitig aber auch eine schnellere Besserung verspricht.</p>
<p>Beantwortet das Ihre Frage?</p>
<p><em>CP: Ja, es beantwortet meine Frage. Allerdings h&auml;tte ich mir eine andere Antwort gew&uuml;nscht.</em></p>
<p>TBK: Welche h&auml;tten Sie gern gehabt?</p>
<p><em>CP: Dass wir Jung‘sche Psychologie vielleicht anders kommunizieren m&uuml;ssen. </em></p>
<p>TBK: Wissen Sie, ich habe 40 Jahre lang auf jedem Kontinent dieser Welt au&szlig;er der Antarktis &ouml;ffentliche Vortr&auml;ge f&uuml;r Laien gehalten. Es sind immer Leute dabei, die begreifen, worauf Jung hinaus wollte und dazu bereit sind, ihn mehr in die Tiefe zu studieren. Sie fangen an, ihre Tr&auml;ume zu beobachten und beginnen, Entwicklung umfassender im Sinne der n&ouml;tigen Schattenarbeit zu betrachten. Bestimmte Leute jedoch glauben, sie kommen durch den Schatten, indem sie dieses Kapitel einfach umgehen weil sie meinen, es ginge auch ohne diese Auseinandersetzung. Und das h&auml;lt sie letztlich zur&uuml;ck.</p>
<p><em>CP: Was sind Ihre pers&ouml;nlichen W&uuml;nsche f&uuml;r die Zukunft der Analytischen Psychologie?</em></p>
<p>TBK: Wenn ich einen pers&ouml;nlichen Wunsch h&auml;tte, w&uuml;rde ich mir w&uuml;nschen, dass Menschen dahin zur&uuml;ckkehrten, Jung wirklich zu lesen. Es gibt gerade viel zu viel beratende Arbeit. Leute verrennen sich in psychologischen Mode-Erscheinungen oder neuesten Psychologie-Trends und versuchen dann, Jung darin irgendwie unterzubringen. Ich bin wirklich kein Fundamentalist, doch ich denke, es gibt nach wie vor gen&uuml;gend Gr&uuml;nde, um Jung zu lesen und eine Menge aus seinen Arbeiten herauszuholen. Einige Generationen lang musste man vielleicht etwas Abstand zu Jung gewinnen, doch nun w&auml;re es an der Zeit, zu ihm zur&uuml;ckzukehren und neu anzufangen.</p>
<p><strong>Dr. Thomas B. Kirsch</strong> ist Psychiater und Jung‘scher Analytiker. Neben seiner Arbeit in privater Praxis in Palo Alto, Kalifornien, ist er als Dozent an der Stanford Medical School und am C.G. Jung-Institut San Francisco t&auml;tig. Von 1989 bis 1995 war Kirsch Pr&auml;sident der IAAP und von 1976 bis 1978 Pr&auml;sident des Jung-Instituts San Francisco. Er ist Autor des Buches »The Jungians« (Deutsch: C.G. Jung und seine Nachfolger), zahlreicher Aufs&auml;tze &uuml;ber Tr&auml;ume, die Geschichte der analytischen Psychologie und die analytische Beziehung, sowie Herausgeber Jung‘scher Beitr&auml;ge in Enzyklop&auml;dien und psychoanalytischen Lexika. | Kontakt: www.jungians.com</p>
<strong>Fu&szlig;noten</strong><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_475" class="footnote">Thomas B. Kirsch (2000): C. G. Jung und seine Nachfolger. Die internationale Entwicklung der Analytischen Psychologie, Psychoszial-Verlag</li><li id="footnote_1_475" class="footnote">Thomas B. Kirsch (1968): The Relationship of the REM to Analytical Psychology, American Journal of Psychiatry, 124, S. 1459-63</li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/mit-etwas-mehr-verstaendnis-fuer-die-psyche-waeren-wir-heute-nicht-in-solchen-schwierigkeiten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fahren Sie nach Jerusalem!</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/fahren-sie-nach-jerusalem/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/fahren-sie-nach-jerusalem/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 16:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=456</guid>
		<description><![CDATA[Im Januar 2009, w&#228;hrend des Gaza-Krieges, war ich mit meiner Frau in Israel. Die 10 Tage haben mich ver&#228;ndert. Ich lebe in Berlin, bin Arzt, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker. Meine Frau (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Januar 2009, w&auml;hrend des Gaza-Krieges, war ich mit meiner Frau in Israel. Die 10 Tage haben mich ver&auml;ndert. Ich lebe in Berlin, bin Arzt, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker. Meine Frau ist Frauen&auml;rztin. Wir haben drei wunderbare Kinder. Ich bin schon weit herumgekommen, doch Israel hat mich aufgeweckt. Ich war das erste Mal dort. Unsere Tochter (19) wollte uns wegen des Kriegs nicht fliegen lassen. Doch die Einladung der Hebrew -Universit&auml;t stand schon l&auml;nger fest. Der Anlass, nun endlich die Kollegen und Freunde bei sich in Israel zu besuchen, war willkommen. Wir hatten auch keine Angst.<br />
<span id="more-456"></span></p>
<p>Dort angekommen merkten wir sogleich, wie anders sich die Situation im anderen Land anf&uuml;hlt.</p>
<p>Schon der Taxifahrer, der uns vom Flughafen Tel Aviv nach Jerusalem hinauffuhr, erteilte uns eine Lektion. Auf halber Strecke der Autobahn zeigte er rechts hinauf zu einer Siedlung am Hang: Hier war es, wo David den Goliath erschlagen hat. Eine Sage, viertausend Jahre alt, zu der es hier den Ort gibt. Dann erkl&auml;rte der Taxifahrer, der Name Pal&auml;stina sei von den Engl&auml;ndern erfunden worden. Zur Zeit der britischen Mandats hatte das Land noch keinen eigenen Namen. Die Briten kannten jedoch ihre Bibel, und so benannten sie das Land nach den Philistern, gegen welche die Israeliten einst gek&auml;mpft hatten – so als sei es gestern gewesen.</p>
<p>Das Thema Krieg war angesprochen, und ich fragte den Taxifahrer, ob er damit zu tun habe. Ja sagte er, sei Schwiegersohn sei in der Armee. Zum Gl&uuml;ck nicht in Gaza, sondern in „Galilee“. Alle jungen Leute m&uuml;ssen nach der Schulzeit in die Armee. Drei Jahre lang. Ich frage ihn, ob er in Israel geboren sei. Nein, antwortet er in seinem fl&uuml;ssigen Englisch, er sei in den USA aufgewachsen und mit 19 nach Israel gegangen. Ich frage, ob es eine religi&ouml;se Entscheidung war. Nein sagte er, „ich wollte bei meinem Volk leben.“ Auch er war drei Jahre lang in der Armee.</p>
<h3>Verschiedene Welten in einer Stadt</h3>
<p>Das G&auml;stehaus auf dem Campus der Universit&auml;t ist eine Oase. Wer auf das Gel&auml;nde will, muss sich ausweisen. Auch der Kofferraum des Taxi muss jedes Mal ge&ouml;ffnet werden. Als der alte Professor, der die Tagung organisiert hat, von unserem Plan erf&auml;hrt, noch am Abend in die Altstadt zu fahren, reagiert er so besorgt, dass wir unseren Plan verschieben. Uns wird ungem&uuml;tlich.</p>
<p>Doch am n&auml;chsten Vormittag fahren wir mit dem Taxi zum Jaffa-Tor. Jerusalem ist eine gro&szlig;e, gem&auml;&szlig;igt moderne, &uuml;ber H&uuml;gel verstreute Stadt, mediterran mit H&auml;usern aus gelbem Stein. Hier im Gebirge ist es k&uuml;hler als drunten in Tel Aviv. Im Zentrum werden die H&auml;user h&ouml;her, die Hauptstra&szlig;e dunkler, und pl&ouml;tzlich erhebt sich in der Sonne das mittelalterliche Tor der Altstadt. Man kennt die Silhouette mit dem Minarett aus dem Reisef&uuml;hrer, doch sogleich f&uuml;hlt man sich versetzt in eine andere Zeit, beinahe in ein M&auml;rchenland. Im Januar 2009 waren wenig Touristen da, mehr Polizei und H&auml;ndler, die wegen des Krieges ein schlechtes Gesch&auml;ft machten. Wir stiegen gleich auf das Dach des m&auml;chtigen Davidsturmes der mittelalterlichen Zitadelle. Ein umwerfender Blick tat sich uns auf: Die gro&szlig;e, rechteckige Altstadt lag zu unseren F&uuml;&szlig;en, mit ungez&auml;hlten kleinen und gro&szlig;en Kuppeln, Minaretten und Kircht&uuml;rmen. Am hinteren Rand, vor einem mit gr&uuml;nen B&auml;umen bestandenen Berg (dem &Ouml;lberg) erhob sich der Tempelberg mit der golden gl&auml;nzenden Kuppel des arabischen Felsendoms. Linker hand die gro&szlig;en grauen Kuppeln der Grabeskirche.</p>
<p>Die F&uuml;hrerin des Museums, eine ehemalige Amerikanerin und Kunsthistorikerin, zeigt uns die Fundamente des Davisturms: Bis auf zehn Meter H&ouml;he stammt das Geb&auml;ude noch aus der Zeit des K&ouml;nigs Herodes, dieser Turm geh&ouml;rte zu seinem Palast. Es war jener K&ouml;nig Herodes der Gro&szlig;e, der den Kindermord von Bethlehem veranlasste, eine vielschichtige und despotische Pers&ouml;nlichkeit. Er hat den Tempel zu Jerusalem zu einer riesigen Anlage ausbauen lassen, doch hat er auch aus Angst vor Verrat nicht nur seine Frau, sondern auch beide S&ouml;hne umgebracht – vielleicht ist das der historische Hintergrund der biblischen Legende. Schon hier sp&uuml;ren wir, wie sich die Traumwelten aus dem Religionsunterricht und die historische Realit&auml;t mischen, und wie hier die Steine sprechen, weil sie dabei waren.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/fahren-sie-nach-jerusalem/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Berlin Culture Revisited: Frida Kahlo</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/berlin-culture-revisited-frida-kahlo/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/berlin-culture-revisited-frida-kahlo/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 20:52:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://localhost:8888/jung/?p=145</guid>
		<description><![CDATA[Die gro&#223;e Retrospektive von Frida Kahlo bot uns eine erste geeignete Gelegenheit f&#252;r unsere Veranstaltungsreihe »Berlin Culture Revisited«. Die Idee dieses Veranstaltungsformates ist es, gemeinsam Berliner Kulturangebote zu erkunden und (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die gro&szlig;e Retrospektive von Frida Kahlo bot uns eine erste geeignete Gelegenheit f&uuml;r unsere Veranstaltungsreihe »Berlin Culture Revisited«. Die Idee dieses Veranstaltungsformates ist es, gemeinsam Berliner Kulturangebote zu erkunden und sie anschlie&szlig;end aus Jung&#8217;scher Perspektive zu reflektieren. Zu diesem Zweck besuchten wir am 25. Juni 2010 mit rund 20 Teilnehmern die Frida Kahlo-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. <span id="more-145"></span></p>
<p>Zun&auml;chst wurde unserer Besuchergruppe in einer F&uuml;hrung das Werk Fridas mit der modellhaften Verschr&auml;nkung von Leben und Leiden, angef&uuml;llt mit Symbolen und archetypischen Themen, nahe gebracht. Anschlie&szlig;end blieb die Gruppe in einem nahe gelegenen Café zum Gespr&auml;ch zusammen. Dort referierte zun&auml;chst die Kollegin Dr. Ingrid Wei&szlig;enborn &uuml;ber besondere Aspekte der Krankheitsgeschichte von Frida Kahlo. Danach diskutierten wir insbesondere &uuml;ber die Wirkung der Krankheit auf den k&uuml;nstlerischen Prozess Frida Kahlos sowie &uuml;ber den kunstgeschichtlichen Stellenwert im Vergleich zur au&szlig;erordentlich popul&auml;ren Wirkung ihres Werkes.</p>
<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-1.jpg"><img class="alignleft size-large wp-image-175 colorbox-145" title="frida-1" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-1-553x370.jpg" alt="" width="553" height="370" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-2.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-176 colorbox-145" title="frida-2" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-2-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-3.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-177 colorbox-145" title="frida-3" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-3-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-4.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-178 colorbox-145" title="frida-4" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-4-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-5.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-179 colorbox-145" title="frida-5" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/07/frida-5-127x127.jpg" alt="" width="127" height="127" /></a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/berlin-culture-revisited-frida-kahlo/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Leinwand als  Projektionsfl&#228;che: Der Einfluss C. G. Jungs in den  Filmen von Frederico Fellini</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 09:08:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=509</guid>
		<description><![CDATA[Seine Filme sind pr&#228;chtig und fantastisch, verwirrend und verzaubernd, hoch gelobt und oftmals unverstanden. Frederico Fellini, der Zauberk&#252;nstler des europ&#228;ischen Autorenkinos, ist eine wahre Ausnahmeerscheinung unter den Filmemachern, die an (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/09/800px-Federico_Fellini_NYWTS_2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-520 colorbox-509" title="Frederico Fellini" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/09/800px-Federico_Fellini_NYWTS_2-300x225.jpg" alt="" width="173" height="130" /></a>Seine Filme sind pr&auml;chtig und fantastisch, verwirrend und verzaubernd, hoch gelobt und oftmals unverstanden. Frederico Fellini, der Zauberk&uuml;nstler des europ&auml;ischen Autorenkinos, ist eine wahre Ausnahmeerscheinung unter den Filmemachern, die an Ideenreichtum und technischer Perfektion bis heute ihresgleichen sucht. C. G. Jung ist, wenn auch nur indirekt, daran nicht unbeteiligt. Ebenso wie Fellini in Jungs Werk einen Schl&uuml;ssel zu seiner verborgenen Sch&ouml;pfungskraft fand, er&ouml;ffnet selbiges uns heute ein tieferes Verst&auml;ndnis f&uuml;r das Werk Fellinis.<br />
<span id="more-509"></span></p>
<p>Neben Publikumserfolgen wie La strada und La dolce vita hat Fellini ein Werk hinterlassen, das von einer einzigartigen Handschrift gepr&auml;gt ist. Wenngleich uns seine Filme wie ein Zerrspiegel menschlicher Wesensz&uuml;ge erscheinen, liegt ihnen ein zutiefst aufrichtiges Bestreben zugrunde: die Suche nach der Wirklichkeit, die sich nicht auf das Augenscheinliche beschr&auml;nkt. »Ich sehe keinen Trennungsstrich zwischen der Vorstellung und der Wirklichkeit. Ich sehe viel Wirklichkeit in der Vorstellung«<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_0_509" id="identifier_0_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Frederico Fellini: Aufs&amp;auml;tze und Notizen. Z&amp;uuml;rich, 2002, S. 194">01</a></sup>, erkl&auml;rt Fellini sein Bem&uuml;hen, &auml;u&szlig;ere Handlungen mit dem mentalen Geschehen seiner Figuren zu verflechten. Der Einfluss C. G. Jungs ist dabei wohl nicht zu untersch&auml;tzen. »Ich wei&szlig; nicht, ob Jung meine Arbeit beeinflusst hat«, sagte er selbst, »mich hat er beeinflusst und was mich bewegt, schl&auml;gt sich nat&uuml;rlich auch in meinen Filmen nieder. Ich [...] habe bei ihm die Best&auml;tigung f&uuml;r meine Art der Phantasie gefunden, die wie ein weiterer Sinn zu meinem Leben geh&ouml;rt.«<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_1_509" id="identifier_1_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Charlotte Chandler: Ich Fellini. M&amp;uuml;nchen, 1994">02</a></sup></p>
<p>Ende der 50er Jahre machte Fellini Bekanntschaft mit dem Psychoanalytiker Ernst Bernhard, der in Rom praktizierte. Von ihm lie&szlig; er sich an die Schriften Jungs heranf&uuml;hren, die ihn nachhaltig beeindruckten:</p>
<blockquote><p>»Wenn ich nur kurz &uuml;ber Jung spreche, werde ich der Tiefendimension, der ausschlaggebenden Bedeutung, die diese Begegnung f&uuml;r mich hatte, zwangsl&auml;ufig nicht wirklich gerecht. […] Es war, als t&auml;te sich ein unbekanntes Panorama auf, als entdeckte ich neue Perspektiven, aus denen man das Leben betrachten kann, die M&ouml;glichkeit, seine Erfahrungen mutiger und in gr&ouml;&szlig;erem Umfang zu nutzen, viele Energien und Materialien wiederzugewinnen, die unter den Tr&uuml;mmern von &Auml;ngsten, unbewusst Gebliebenem, unbeachteten Wunden begraben waren.“<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_2_509" id="identifier_2_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Frederico Fellini: Aufs&amp;auml;tze und Notizen. Z&amp;uuml;rich, 2002, S. 188">03</a></sup></p></blockquote>
<p>Fellini unterzog sich bei Bernhard keiner Analyse, diskutierte mit ihm jedoch &uuml;ber l&auml;ngere Zeit seine Tr&auml;ume und Fantasien und begann unter Bernhards Obhut ein Traumtagebuch zu f&uuml;hren, das ihn insgesamt zwanzig Jahre begleitete. Neben Notizen von Tr&auml;umen und Fantasien enthielt es in erster Linie Karikaturen, wie sie Fellini zur Vorbereitung seiner Filme anfertigte. Bis heute ist nur eine geringe Auswahl der Dokumente ver&ouml;ffentlicht, sodass es wohl ein Geheimnis bleibt, wie tief Fellinis k&uuml;nstlerische Werke in seinen Tr&auml;umen wurzelten.</p>
<h3>Aktive Imagination auf Zelluloid</h3>
<p>Betrachtet man Fellinis eigenwillige Art, den Produktionsablauf zu gestalten, liegt die Vermutung nahe, dass das Filmemachen f&uuml;r ihn eine M&ouml;glichkeit zur aktiven Imagination war, wie er sie in anderer Form regelm&auml;&szlig;ig praktizierte. Inszenieren war f&uuml;r ihn ein wenig planbarer Akt und glich eher einer stetigen Suche, einer Reise mit unbekanntem Ziel.</p>
<blockquote><p>»Ich habe nicht das Gef&uuml;hl, die Regie des Films zu f&uuml;hren, vielmehr habe ich das Gef&uuml;hl, der Film f&uuml;hrt mich. Daher ist es f&uuml;r mich immer etwas unsinnig, &uuml;ber einen Film zu sprechen, bevor ich ihn gemacht habe. […] Ich mag es nicht, &uuml;ber meine ‚Intention’ zu sprechen. Intention ist nur ein psychologisches Instrument, um dich auf den Weg zu bringen und deine Reise zu beginnen. Aber was genau die Reise sein wird, wird man erst hinterher wissen.«<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_3_509" id="identifier_3_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interview auf der DVD Fellini-Satyricon">04</a></sup></p></blockquote>
<p>Um sich auf der Reise m&ouml;glichst intuitiv fortbewegen zu k&ouml;nnen, schuf er im Vorfeld alle n&ouml;tigen Voraussetzungen. Nicht selten gab es zu Drehbeginn nur eine vage Idee, denn Drehb&uuml;cher waren Fellini ein Graus.</p>
<blockquote><p>»Ich habe nicht das Gef&uuml;hl, einen Film<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_4_509" id="identifier_4_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Picture, das englische Wort f&amp;uuml;r Film, das Fellini im Original gebraucht, hat mehrere Bedeutungsschichten.">05</a></sup> zu machen, sondern ich stelle das wieder her, was bereits zuvor existierte, in einer anderen Dimension. Wenn ich einen Film mache, habe ich das Gef&uuml;hl, ich schaue mich um, um Teile von etwas zu finden, was zerbrochen ist und meine Leistung ist es, diese vielen kleinen Teile wieder zusammenzuf&uuml;gen, die in meiner Vorstellung einen Film ergeben.«<sup><a href="http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/#footnote_5_509" id="identifier_5_509" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Interview auf der DVD Fellini-Satyricon">06</a></sup></p></blockquote>
<p>Dies war einzig durch spontanes Handeln m&ouml;glich. Lediglich die Grundidee des Films war in groben Z&uuml;gen im Drehbuch fixiert, diese wurde dann mit Improvisationen angereichert. Um sich dabei gr&ouml;&szlig;t-m&ouml;gliche Freiheit zu bewahren, entband er die Schauspieler von vorgegebenen Texten und lie&szlig; sie lieber Zahlenreihen oder Gebete aufsagen. Selbst Probeaufnahmen wurden zur Verwertung herangezogen, wenn sie Fellini als bereichernd empfand. Die endg&uuml;ltige Geschichte entstand dann erst im Schneideraum und bei der Synchronisation. All diese Praktiken, die seinen Mitarbeitern stets ein H&ouml;chstma&szlig; an Vertrauen abverlangten, dienten Fellinis Ziel, eine Atmosph&auml;re zu schaffen, in der er sich von seinem Unbewussten leiten lassen und das Spontane geboren werden konnte.</p>
<h3>Vers&ouml;hnung mit der Anima</h3>
<p>Der Begegnung mit Bernhard folgte eine stilistische Wende Fellinis, die nach der Arbeit an La dolce Vita einsetzte. Erstes Ergebnis dieser Neuorientierung war der Film 81/2 (1962), der wie keines seiner Werke zuvor die Grenzen von realer und mentaler Wirklichkeit verwischte. 81/2 als Ausdruck eines inneren Wandlungsprozesses zu begreifen liegt nahe, wenn man bedenkt, dass Fellini damit eine Dokumentation seiner eigenen Situation schuf. Der Film erz&auml;hlt die Geschichte des Regisseurs Guido (Marcello Mastroianni), der sich von einer Schaffenskrise geplagt einer Kur unterzieht. Von seinem Produzenten wird er dazu gedr&auml;ngt, ein neues Filmprojekt zu beginnen, doch Guido f&uuml;rchtet, nichts als ein unf&auml;higer Aufschneider zu sein. Seine unloyale, lasterhafte Neigung zum weiblichen Geschlecht tr&auml;gt nicht gerade dazu bei, den Druck, der auf ihm lastet, zu verringern.</p>
<p>L&auml;nger schon betr&uuml;gt er seine Ehefrau Luisa mit der drallen Dirne Carla, deren Intellekt in keinem Verh&auml;ltnis zu ihrem gro&szlig;en Herzen steht. Guidos missliche Lage fordert seine Entwicklung heraus, die durch Tr&auml;ume und Fantasien begleitet wird. Durch einen Initialtraum zu Beginn des Films wird dieser Prozess angesto&szlig;en: Ein Auto steht im Stau und die eindringenden Abgase zwingen den Fahrer, sich durch das Dachfenster vor dem Ersticken zu retten. Er erhebt sich in die L&uuml;fte und entschwebt der Bedr&auml;ngnis, bis er ans Meer gelangt. Als ein prunkvoll gekleideter Reiter am Strand auftaucht, n&auml;hert sich Guidos H&ouml;henflug einem abrupten Ende. Ein langes Seil ist an seinem Fu&szlig; befestigt, doch so sehr er sich bem&uuml;ht, er kann die Fessel nicht l&ouml;sen und wird mit einem Ruck hinab gezogen. Bevor er ins Meer eintaucht, erwacht er. Auch wenn er sich diesmal davor noch dr&uuml;cken konnte, bleibt ihm bald der Abstieg in sein Unbewusstes nicht l&auml;nger erspart.</p>
<p>Die Analyse eines Werks nach psychoanalytischen Kriterien ist zwar immer ein Wagnis, doch in diesem Fall gibt uns Fellini einen versteckten Hinweis darauf, dass sich bei C.G. Jung eine Hilfe zum Verst&auml;ndnis f&uuml;r die willk&uuml;rlich anmutenden Traum-Episoden findet:</p>
<p>Bei einer Veranstaltung l&auml;sst sich Guido von einem Medium den Begriff Asanisimasa aus seinen Gedanken lesen, ein Fantasiewort aus seiner Kindheit, hinter dem sich die Anima verbirgt.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/YozQlhdu4QU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/YozQlhdu4QU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Betrachtet man den Film unter dem Aspekt der Anima, reihen sich die wahllosen Teile sinnvoll aneinander. Ein Zwist mit ihr ist der Grund f&uuml;r Guidos Probleme und eine Kindheitserinnerung deutet die Ursache daf&uuml;r an: Eine Horde kleiner Jungen macht sich auf, die Saraghina zu besuchen, ein opulentes Weib mit tierischen Z&uuml;gen, das in einer H&uuml;tte am Meer haust. F&uuml;r ein paar Groschen setzt die Saraghina zum Rumba an und schwingt in lustvoller Weise ihre H&uuml;ften, bis die jubelnden Jungen vor herannahenden Priestern fl&uuml;chten m&uuml;ssen. Guido wird geschnappt und muss sich vor den Obrigkeiten der Kirche verantworten.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/cJQuZXoyc5U?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/cJQuZXoyc5U?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Die Begegnung mit der Saraghina als Inkarnation der Erdmutter ist Guidos erste sexuelle Erfahrung, ein Trauma, das fortan all seine Beziehungen zum anderen Geschlecht pr&auml;gt. &Auml;u&szlig;erlich zeigt sich dies in mangelnder Loyalit&auml;t in allen Beziehungen, innerlich im geradezu gewaltsamen Kampf gegen die Bed&uuml;rfnisse der Anima. In einer Fantasie, in der Guido in einem Harem voller Frauen die Aufst&auml;ndischen mit der Peitsche zur R&auml;son bringen muss, wird seine unterlegene Position deutlich. Doch gleichzeitig erf&uuml;llt ihn eine Sehnsucht nach einer reinen, unbelasteten Weiblichkeit.</p>
<p>In seinen Fantasien erscheint ihm immer wieder eine geheimnisvolle Sch&ouml;nheit namens Claudia, die ihm unter anderem als Marienfigur begegnet und auf ihn eine seltsame Faszination aus&uuml;bt. Sie verspricht Reinheit, Unschuld und Vers&ouml;hnung und ist als Archetyp der Kore-Figur der Inbegriff von Guidos Suche nach der urspr&uuml;nglichsten Weiblichkeit, die &uuml;ber jede moralische Sanktion erhaben ist. Alle Frauen in Guidos realem und mentalem Leben repr&auml;sentieren Anteile seiner Anima, die sich in Luisa vereinen. Seine Leistung besteht darin, sich ihr im Laufe des Films zu &ouml;ffnen und sich schlie&szlig;lich mit ihr zu verb&uuml;nden. H&ouml;hepunkt ist die Vers&ouml;hnung mit Luisa in einer symbolisch aufgeladenen Schluss-Sequenz: Alle Figuren des Films tanzen in einem Kreis um das Paar und verk&uuml;nden Guidos neue Ganzheit. Als sie gemeinsam die Manege verlassen, bleibt ein kleiner Junge zur&uuml;ck als Symbol f&uuml;r Guidos wiedergefundene Unbeschwertheit.</p>
<h3>Begegnung mit der Gro&szlig;en G&ouml;ttin</h3>
<p>Die geschickte Verbindung seiner eigenen mit der filmischen Wirklichkeit, die Fellini mit 81/2 gegl&uuml;ckt war, pr&auml;gte auch den folgenden Film. Die Parallelen zwischen Julia und die Geister (1965) und 81/2 sind dabei keinesfalls zuf&auml;llig. Zum einen wird Julia von Fellinis Frau Giulietta Masina gespielt, zum anderen legt die psychische Anlage von Guido und Julia den Schluss nahe, dass es sich hier um Anima bzw. Animus des jeweils anderen handelt. Julia verk&ouml;rpert das typische Bild einer italienischen Frau ihrer Zeit. Im festen Glauben, in ihrer Ehe ewige Gl&uuml;ckseligkeit zu finden, ist sie nicht imstande, die Probleme zu handhaben, die dieses Gl&uuml;ck ersch&uuml;ttern. Als sie erf&auml;hrt, dass ihr Mann sie mit einer j&uuml;ngeren Frau betr&uuml;gt, ger&auml;t Julia in einen fast psychotischen Zustand.</p>
<p>Auch ihre Entwicklung beginnt mit einem Initialtraum. Bei einem Besuch am Strand steigen vor Julias Augen pl&ouml;tzlich unheimliche Gestalten aus dem Meer empor. Julia wird angewiesen, sie an einem langen Seil aus dem Wasser zu ziehen.</p>
<p>In der darauf folgenden Zeit begleiten sie die unliebsamen Besucher aus ihrem Unbewussten in Halluzinationen und dr&auml;ngen sie dazu, sich ihrem bis dato unbewussten Konflikt zu stellen. Julia ist zerrissen zwischen dem katholisch gepr&auml;gten Frauenbild ihrer Zeit und ihrem latenten Bed&uuml;rfnis nach einer selbstbestimmten weiblichen Identit&auml;t. Dabei verfolgt sie eine Kindheitserinnerung, in der sie bei einem Schauspiel als M&auml;rtyrerin verbrannt werden soll, doch ihr Gro&szlig;vater, der wegen seiner Beziehung zu einer Zirkust&auml;nzerin von der Familie versto&szlig;en wurde, setzt der geschmacklosen Auff&uuml;hrung ein vorzeitiges Ende und befreit seine Enkelin.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/uQNK6-CiRWc?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/uQNK6-CiRWc?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Immer wieder wechseln die Bilder ihrer Fantasie zwischen der gefesselten M&auml;rtyrerin und ihrem Gro&szlig;vater, der sie als Verk&ouml;rperung ihres Animus dazu anh&auml;lt, endlich die Rolle der M&auml;rtyrerin zu verlassen. Die Geister Iris und Olaf, die Julia als Stimmen erscheinen, sind eine weitere Spielart dieses Konflikts. Olaf beschimpft sie als Hure und wertlosen Nichtsnutz, Iris hingegen fl&uuml;stert ihr immer wieder zu, von ihrer Nachbarin Suzy zu lernen. Suzy ist ein schillerndes Wesen, das jeder Realit&auml;t entr&uuml;ckt ist. In ihrem Harem, der an Tausendundeine Nacht erinnert, fr&ouml;nt sie vor allem leiblichen Gen&uuml;ssen und versucht, Julia diesen Lebensstil schmackhaft zu machen. Sie ist die Inkarnation der Gro&szlig;en G&ouml;ttin, und ihr Lebenszentrum ist ein rundes Schlafzimmer, dessen Bett &uuml;ber eine Rutsche mit einem unterirdischen Schwimmbad verbunden ist. Doch so sehr sie Julia auch umgarnt, diese ist nicht bereit, sich f&uuml;r Suzys Hilfe zu erw&auml;rmen.</p>
<p>Erst als Julias Mann zu einer Gesch&auml;ftsreise mit seiner Geliebten aufbricht, wird der Druck f&uuml;r sie unertr&auml;glich. In ihrem Wahn h&ouml;rt sie die Lockrufe einer Schulfreundin, die sich das Leben nahm. Julia ist geneigt ihr zu folgen. Als ihr daraufhin erneut das Bild der M&auml;rtyrerin erscheint, entscheidet sie sich gegen den M&auml;rtyrertod und erl&ouml;st das M&auml;dchen von seinen Fesseln. Nun kann sich auch ihr Gro&szlig;vater von ihr verabschieden, denn Julia hat ihren Animus in sich selbst gefunden und ist imstande, die Abh&auml;ngigkeit von ihrem Ehemann hinter sich zu lassen. Auch alle anderen Geister verlassen Julia, die nun befreit vom moralischen Diktat ihrer Kindertage aufbricht in ein neues, eigenes Leben.</p>
<p>Auch wenn sich Fellini in seinen sp&auml;teren Werken immer mehr von den vordergr&uuml;ndigen Bezugnahmen auf jungianische Konzepte l&ouml;ste, hat C.G. Jung in seinem Schaffen bleibende Spuren hinterlassen. Kritiker und Publikum standen seinen Filmen dabei oft etwas ratlos gegen&uuml;ber, doch gerade diese Wirkung zeichnet seine Filme aus: ein gewisses Unverst&auml;ndnis, Verwirrung, Irritation. Damit produktiv umzugehen gelingt nur denen, die sich im Kinosessel zur&uuml;cklehnen und sich ganz der Rezeptionsfreude des eigenen Unbewussten hingeben k&ouml;nnen.</p>
<p><em>Der Artikel erschien erstmals im Jung-Journal – Forum f&uuml;r Analytische Psychologie, Heft 14, August 2005, S. 18-21 </em></p>
<strong>Fu&szlig;noten</strong><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_509" class="footnote">Frederico Fellini: Aufs&auml;tze und Notizen. Z&uuml;rich, 2002, S. 194</li><li id="footnote_1_509" class="footnote">Charlotte Chandler: Ich Fellini. M&uuml;nchen, 1994</li><li id="footnote_2_509" class="footnote">Frederico Fellini: Aufs&auml;tze und Notizen. Z&uuml;rich, 2002, S. 188</li><li id="footnote_3_509" class="footnote">Interview auf der DVD Fellini-Satyricon</li><li id="footnote_4_509" class="footnote">Picture, das englische Wort f&uuml;r Film, das Fellini im Original gebraucht, hat mehrere Bedeutungsschichten.</li><li id="footnote_5_509" class="footnote">Interview auf der DVD Fellini-Satyricon</li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/die-leinwand-als-projektionsflaeche/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auftakt mit Patrick Roth</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/auftakt-mi-patrick-roth/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/auftakt-mi-patrick-roth/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 20:40:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=356</guid>
		<description><![CDATA[»Ziel w&#228;re nie schon das Buch. Aber Richtung, Sinngebung k&#246;nnte es sein: den Weg, der hinter dem Buch liegt, freizulegen. Mir und dem Leser. Eine Passaage, die eben nicht zu (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»Ziel w&auml;re nie schon das Buch. Aber Richtung, Sinngebung k&ouml;nnte es sein: den Weg, der hinter dem  Buch liegt, freizulegen. Mir und dem Leser. Eine Passaage, die eben nicht zu anderen B&uuml;chern , sondern vor allem zum eigenen Schatten f&uuml;hrt, dem eigenen ungelebten Leben, den eigenen ungesehenen Bildern, den eigenen nie bedachten Tr&auml;umen, die sich nun melden, die endlich auferstehen, vielleicht zum ersten Mal sichtbar-h&ouml;rbar werden.« (2005)</p></blockquote>
<p><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/06/proth.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-428 colorbox-356" title="Patrick Roth: Starlite Terrace (Suhrkamp)" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/06/proth-182x300.jpg" alt="Patrick Roth: Starlite Terrace (Suhrkamp)" width="182" height="300" /></a>Zur ersten Veranstaltung der C.G. Jung-Gesellschaft Berlin am 30. Mai 2010 las der Schriftsteller Patrick Roth die vielschichtige Geschichte »Sonnenfinsternis« aus seinem Erz&auml;hlungsband »Starlite Terrace« (Suhrkamp).</p>
<p>Die Lesung war eine Kooperation der Jung-Gesellschaft mit der Reihe CouchKultur, die regelm&auml;&szlig;ig am Institut f&uuml;r Psychotherapie Berlin stattfindet.</p>
<p>Mit  seiner ungew&ouml;hnlich eindringlichen Vortragskunst lie&szlig; Patrick Roth die Zuh&ouml;rer teilnehmen am drohenden Zerfall von Moss’ Lebensgeschichte und am Wandlungsprozess durch die Begegnung mit dem Schatten und dem Selbst.</p>
<p>In der anschliessenden Diskussion ging Roth auf die zentrale Rolle ein, die f&uuml;r ihn die Psychologie C. G. Jungs (Traumarbeit, Aktive Imagination, Symbolverst&auml;ndnis, Alchemie als ›Erfahrungskunst‹) beim Schreiben einnimmt.</p>
<p>Es ist geplant, Patrick Roth zum Thema seiner  Poetikvorlesungen wieder einzuladen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/auftakt-mi-patrick-roth/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vortrag von Willy Obrist anl&#228;sslich unserer Gr&#252;ndung</title>
		<link>http://www.jungberlin.de/2010/vortrag-von-willy-obrist-anlaesslich-der-gruendung/</link>
		<comments>http://www.jungberlin.de/2010/vortrag-von-willy-obrist-anlaesslich-der-gruendung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 20:41:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jungberlin.de/?p=358</guid>
		<description><![CDATA[Anl&#228;sslich der Gr&#252;ndung unserer Gesellschaft am 7. M&#228;rz 2010 hat Willy Obrist unter diesem Titel einen Vortrag verfa&#223;t, den er aufgrund seines hohen Alters nicht pers&#246;nlich in Berlin halten konnte. (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_463" class="wp-caption alignright" style="width: 280px"><a href="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/03/obrist.jpg"><img class="size-full wp-image-463  colorbox-358" title="Willy Obrist" src="http://www.jungberlin.de/wp-content/uploads/2010/03/obrist.jpg" alt="Willy Obrist" width="270" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">Willy Obrist</p></div>
<p>Anl&auml;sslich der Gr&uuml;ndung unserer Gesellschaft am 7. M&auml;rz 2010 hat Willy Obrist unter diesem Titel einen Vortrag verfa&szlig;t, den er aufgrund seines hohen Alters nicht pers&ouml;nlich in Berlin halten konnte. Nach einem einf&uuml;hrenden Interview mit Willy Obrist wurde der Vortrag auf der Gr&uuml;ndungsveranstaltung der C.G. Jung Gesellschaft Berlin verlesen.</p>
<p>Es geht Obrist »um eine zeitgem&auml;sse Auffassung des Begriffspaares Materie und Geist«:</p>
<blockquote><p>»Vorerst m&ouml;chte ich die Tatsache ins Bewu&szlig;tsein heben, dass Jung die Psychologie, die man bis dahin den Geistwissenschaften zugeordnet hatte, zu einer naturwissenschaftlichen Disziplin im vollen Sinn des Wortes gemacht hat.«</p></blockquote>
<p>Das sei durch den »Nachweis der Artspezifit&auml;t des Unbewu&szlig;ten« erfolgt, eingebettet in die Erkenntnisse der Verhaltensforschung &uuml;ber die unbewu&szlig;ten kognitiven Systeme. Dies betreffe den theoretischen Zweig der Psychologie, w&auml;hrend der hermeneutische die Br&uuml;cke zur Geisteswissenschaft bilde.</p>
<p>Der Vortrag zeigt auf, wie der grundlegende Dialog zwischen Jung und Pauli zum Materie-Geist-Problem sich fortsetzt &uuml;ber das ›komplement&auml;re Denken‹ (Niels Bohr) und der Rede vom ›materiellen und geistigen Aspekt des <em>einen</em> raumzeitlischen Gebildes‹ bis zur Quintessenz: »Es gibt keine Materie ohne Geist« (s. die »Ordnung des Atoms«).</p>
<p>Obrist endet mit: »Die neue Weltsicht ist nicht mehr dualistisch sondern unistisch im Sinn von Unio – Vereinigung der Gegens&auml;tze. Sie entspricht somit jener Sicht der  Wirklichkeit, um die C.G. Jung w&auml;hrend Jahren gerungen hat.«</p>
<p>Es ist eine Fortf&uuml;hrung dieser Thematik im Rahmen einer Arbeitsgruppe geplant. Der vollst&auml;ndige Vortrag ist <a href="http://www.jungberlin.de/2010/willy-obrist-c-g-jung-und-die-naturwissenschaft/">hier</a> nachzulesen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jungberlin.de/2010/vortrag-von-willy-obrist-anlaesslich-der-gruendung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

