C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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»C.G. Jungs Abschied vom Kriegerhelden: Das Rote Buch und der 1. Weltkrieg« (Vortrag und Diskussion)

10. Januar 2015 - 15:00 Uhr
Ev. Kirchenforum (Parochialkirche), Klosterstraße 66, 10179 Berlin
ReferentIn: Dr. Günter Langwieler

C.G. Jungs Rotes Buch wird von mir als historisches Dokument einer politischen Psychologie des Krieges interpretiert. Im Mittelpunkt steht die Wandlung des Heldenbildes, nämlich des deutschen Kriegerhelden Siegfried, den Jung in einem Traum von Dezember 1913 ermordete. Dieser Traum, gemeinsam mit weiteren Visionen – ein Blutmeer über Europa von der Nordsee bis zu den Alpen vom Oktober und November 1913 und ein in einem Fluss aus Blut schwimmenden blonden Helden von Dezember 1913 – wurde von Jung im Roten Buch mit ausführlichen Kommentaren zum Fürstenmord und  Krieg als Selbstopfer der Völker versehen. Jung stand damit in scharfem Gegensatz zum Zeitgeist, der sich in einer Heroisierung des Selbstverständnisses der europäischen Gesellschaften zeigte. Seine Kommentare zum Krieg verstehe ich als psychologischen Pazifismus, dem es um eine Rücknahme der Projektionen von Aggression auf den Feind und eine Überwindung der inneren Spaltung mit dem Ziel der Integration der eigenen Schattenseite geht. Diese Prozesse haben jedoch eine tragische Dimension, insofern vor die Liebe das Selbstopfer der Völker und ihr Heldennachlaufen gestellt sind. Jung nahm damit eine Entwicklung im Denken und Fühlen der europäischen Völker vorweg, die Münkler und Sabrow die »postheroische Gesellschaft« nennen. Diese Denkfiguren sollen auch auf aktuelle Kriege und gewaltsame Konflikte angewendet werden (etwa Palästina/Israel, Ukraine/Russland, IS). Die Ent-Heroisierung des Opfers schwächt das Feindbild und öffnet den Blick auf die Annahme des Anderen und Fremden in mir…

Zur Person:
Dr. med. Dipl.-Psych. Günter Langwieler, Studium der Psychologie und Humanmedizin, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse und Psychotherapie, niedergelassen in eigener Praxis, Dozent am C.G. Jung-Institut Berlin, Vorsitzender der C.G. Jung-Gesellschaft Berlin, zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zu Jungs Werk (Wotan, Zarathustra-Seminar, Rotes Buch etc.).

Kostenbeitrag 10 / 8 / 5 €  (Gäste/Mitglieder und Rentner/Studierende und Erwerbslose)