C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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»Warum geht Carmen zurück zu Don Josè?« (Vortrag)

9. April 2016 - 15:00 Uhr
Ev. Kirchenforum (Parochialkirche), Klosterstraße 66, 10179 Berlin
ReferentIn: Dr. Elisabeth Bingel (Berlin)

In der Oper „Carmen“ von George Bizet sind die verschiedenen Formen des Eros von spielerischer Verliebtheit bis zu (selbst)zerstörerischer leib-seelischer Hörigkeit und tödlicher Leidenschaft dargestellt. Am Ende gibt es keine weiterreichende Perspektive, keinen Trost, keine Hoffnung auf Erlösung. Dennoch ist „Carmen“ seit ihrem Erscheinen die meistgespielte Oper der Welt. Wie ist das zu begreifen? Ist es allein die Musik von Bizet, die die anhaltende Beliebtheit dieser Oper erklärt, eine Musik, in der sich, anders als im Libretto, die ersehnte Vereinigung der Gegensätze doch zu ereignen scheint?

Im Vortrag soll die Oper vorgestellt und anhand von Musik- und Textbeispielen aufgezeigt werden, wie die Protagonisten Carmen und Don Josè beide an ihren Wünschen und Sehnsüchten nach der idealen Liebe scheitern. Es gelingt ihnen nicht, eine schöpferische Beziehung zueinander zu entwickeln, in der sie sich grundlegend wandeln und gewandelt werden können. Das erscheint als ein überraschendes Ergebnis, da die Figur der Carmen meist als eine verstanden wird, die das Modell von Liebe und Hingabe ohne Unterwerfung, spontaner Sinnlichkeit und Freiheit bis zur letzten Konsequenz lebt, während Josè durch seine „unreife, anklammernde Eifersucht“ allein die Liebe zerstört.

In den Nebenfiguren der Oper präsentieren sich weitere Träume von der idealen Liebe.

Zur Person:

Dr. Elisabeth Bingel ist niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin in der Fachrichtung Analytische Psychologie sowie professionelle Musikerin in Berlin. Sie hat zahlreiche Opern psychologisch gedeutet und in Vorträgen und auf Tagungen vorgestellt (Cosi fan tutte, Parzifal, Ring des Nibelungen uvm)

Kostenbeitrag 10 / 8 / 5 €  (Gäste/Mitglieder und Rentner/Studierende und Erwerbslose)