C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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Musizieren und Gesundheit

Autor: Jörg Rasche · 18.08.2010

Es scheint zu unseren menschlichen Anlagen zu gehören, dass wir etwas erst ganz erkennen und zu schätzen vermögen, wenn es gerade zu Ende geht oder schon vergangen ist. Die benediktinische Regel des memento mori (Denke an das Sterben) macht daraus eine Aufgabe: Jeden Augenblick des Lebens so zu leben, als sei er der letzte. Das heißt, das Vergehen des Augenblicks zu bejahen, ihn loszulassen, um ihn dadurch ganz und bleibend zu gewinnen. Wir sind in die Zeit hineingeworfen wie in einen Fluss, der uns mitnimmt und nichts lässt, wie es ist. Ich erinnere mich, wie seltsam berührt ich in meiner Jugend war, wenn ältere Menschen in ausgelassener Stimmung sangen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute, der sollte nie vergehn.“ Ich dachte: Davon kann man doch nicht so fröhlich singen, dass dieser Tag vorbei geht. Sollte man nicht davon schweigen? Ich fand diese Erwachsenen sonderbar, um von der Banalität der Musik nicht zu reden, über die ich mich erhaben fühlte.

Dieses ist ein Text über das Musizieren. Ich schreibe ihn für eine Frau, die in mir oft den Eindruck erweckt, als würde sie innerlich immer ein wenig vor sich hin musizieren. Ich glaube etwas wahrzunehmen, was ich von mir selber kenne. Es ist da ein Fließen von Energie, das Formen sucht. Formen, die nicht Worte sind, sondern etwas anderes. Es ist wie ein Festhalten, ohne etwas festzuhalten.

Vielleicht ist mancher Leser überrascht, dass ein Text über eine so erfreuliche und unkomplizierte Sache wie das Musizieren mit einer Erinnerung an die Vergänglichkeit beginnt. Ich habe einmal ein altes Spinett kennen gelernt, das schön und liebevoll bemalt war, aber nur einen kurzen, schnell ersterbenden Ton hatte. Auf dem Deckel waren blühende und verwelkende Blumen gemalt und eine Inschrift: memento mori. Passender hätte keine andere Inschrift sein können: Der schnell verklingende Ton des Spinetts war auch ein Symbol. Durch das Spielen und Musizieren wird das Instrument lebendig, wenn es nicht gespielt wird ist es tot. So steht es auch mit uns.

Musik ist eine Kunst in der Zeit, sie gestaltet in der Zeit und hebt damit die Zeit auf. Wir können beim Zuhören und Musizieren eine kleine Ewigkeit erleben. Musik entführt, wie E.T.A. Hoffmann einmal sagte, in ein Zauberreich, in dem die Zeit und die Schwerkraft nicht gelten. Wenn wir einen musikalischen Augenblick erhaschen, eine Melodie, einen interessanten oder schönen Klang, eine dramatische Stimmführung, den Wechsel von Ton und Pause erleben, das Gegenspiel von hinauf und hinab, von lang und kurz oder von laut und leise – dann können wir dieses Paradox erleben, dass gerade die Kunst, die in und mit der Zeit stattfindet, die Zeit zum Verschwinden bringt. Diese gelebten Augenblicke kann uns aber niemand nehmen. Es ist, als würden wir in eine Art Ewigkeit eintauchen. Wer es einmal erlebt hat, sucht diesen Eingang zur tönenden Ewigkeit sein ganzes Leben.

Das Musizieren ist eine der ältesten Beschäftigungen der Menschheit, und noch das kleine Mädchen am häuslichen Klavier oder der Jugendliche, der in seinem Zimmer eine Wagner-Oper heimlich mitdirigiert (was ebenso eine Form des Musizierens ist), hat Anteil an der Magie und der strukturierenden Kraft der Musik. Für die alten Babylonier, die Ägypter, vor allem aber für die Inder und Griechen war klar, dass Musizieren und Gesundheit zusammengehören. Die Griechen musizierten als Dienst an den Musen, in dem sie sich an dem beteiligten, was die Musen tun. Die Musen waren die Göttinnen des Gesanges, des Instrumentalspiels, des Tanzes, der Dichtung, des Theaters und der Malerei. All diese Göttinnen machten Musik auf ihre Art und Weise, und sie trugen damit zu dem Ausgleich der Kräfte im Kosmos und in den Menschen bei. Musizieren war eine notwendige und friedenstiftende Tätigkeit in einem sehr umfassenden Sinn. Harmonia, eine der Musen, galt als Tochter der Liebesgöttin Aphrodite und des Kriegsgottes Ares, sie versöhnte die gegensätzlichen Kräfte und Energien ihrer Eltern.

Die kosmologische Wahrheit und Kraft des Musizierens können wir heute noch erleben, wenn wir zum Beispiel ein Instrument stimmen (oder im Konzert einen Musiker dabei erleben). Das Wissen darum verdanken wir dem griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras, der vor ca. 2400 Jahren (!) zeigte, dass der harmonische Klang einer Konsonanz (Oktav, Quint, Quart, Terz) auf natürlichen Proportionen beruht, die überall in der Welt der Natur gelten. Die Lyras und Kitharas der Griechen hatten Stimmwirbel an jeder Saite, und die Griechen stimmten ihre Instrumente so im Einklang mit dem Kosmos. Sie brachten sie (und damit sich selbst) beim Spielen in Resonanz mit den archetypischen Schwingungen des Kosmos der Götter. Dieses Prinzip gilt für alle anderen Musikkulturen der Welt, die teilweise daraus eine andere tonale Ordnung abgeleitet haben – so wie es verschiedene Vorstellungen von Göttern gibt.

Musizierende Menschen werden mir beistimmen, wenn ich sage, dass schon das Stimmen des Instruments eine Art heilende Wirkung haben kann. Ich kann aus meinem eigenen Erleben berichten. Wenn ich mir Zeit nehme und mein Cembalo einmal in allen Registern richtig durchstimme, dann scheint sich etwas zu verändern. Sie werden lachen, aber manchmal glaubte ich sogar zu erfahren, dass das Wetter über mir besser wird, wenn ich mein Instrument stimme. Von Brahms berichtet man, dass es zu regen begann, sooft er ein bestimmtes Musikstück spielte. Ich vermute, dass solche Anekdoten etwas damit zu tun haben, dass eine bestimmte innere Ordnung die Wahrnehmungen verändert und manches dadurch einfacher erscheint – oder auch einfacher wird. Bekannt ist die Geschichte vom Regenmacher, die Erich Neumann überliefert hat: Der ersehnte Regen kam, nachdem der eigens herbeigeholte alte Mann drei Tage in einer Hütte am Rande des Dorfes geblieben war und „in sich erst einmal Ordnung gemacht hatte“. Novalis sagte, jede Krankheit sei ein musikalisches Problem, und Gesundung sei die Auflösung dieses Problems.

Heute ziehen wir gerne naturwissenschaftliche Erkenntnis zur Erklärung von Phänomenen heran, die frühere Zeiten als magisch oder religiös erlebten. Das Musizieren wirkt auf die Funktionsweise unseres Gehirns. Konsonanzen sind Naturgesetze, und die Herbeiführung einer Konsonanz beruhigt. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass durch das Musizieren die Balance zwischen den Hemisphären unseres Gehirns so sehr geübt und trainiert wird, dass bei Musikern die entsprechenden Nervenbahnen (das corpus callosum) deutlich stärker ausgebildet sind als bei Leuten, die nicht selbst Musik machen. Das Musizieren wirkt jedoch auch auf tiefere Hirnregionen. Der genaue Mechanismus ist noch nicht belegt. Die Proportionen, nach denen Klänge mit Obertönen aufgebaut sind, sind die gleichen, die wir in Mandalas beobachten können, und diese wiederum lassen sich als Repäsentationen von Ordnungsvorgängen im Hirnstamm wiederfinden. Wenn musikalisch „Ordnung geschaffen“ wird, das heißt Klänge nach bestem Vermögen und mit Freude in harmonische Beziehung gebracht werden, dann ordnet sich buchstäblich das Chaos im Gehirn – in solchen Strukturen, wie sie bildlich als Mandala-Anordnungen bekannt sind. Beobachtungen von spontanen Mandalavisionen als heilende Kompensation von neurologischem Chaos (zum Beispiel durch amerikanische Psychiater 1950) haben C.G.Jung dazu bewegt, von archetypischen Strukturen auf der Schwelle von somatischem und symbolischem Geschehen zu sprechen. ((Z.B. in GW 3, § 582))

Musizieren schult die Motorik und die Intelligenz. Es weist auf Spannungen hin (davon wissen vor allem Sänger und Flötisten, aber auch andere Instrumentalspieler) und es löst sie, wenn man richtig musiziert und Leib und Seele in Schwingung versetzt. Musik hat nämlich sehr viel mit körperlichen Rhythmen zu tun, mit dem Ein- und Ausatmen, dem Puls des Herzens, mit dem abwechselnden Schreiten der Beine und dem Schwingen der Arme. Eine gute Instrumentaltechnik ist die, welche die natürlichen Bewegungsabläufe und die Bewegungen beim Spielen einer Komposition maximal angleicht. Dann wird das Instrument zum Freund und Begleiter in allen Lebenslagen, und sein Klang zu einer Heimat, einer Art Übergangsraum zwischen dem täglichen Leben hier und der Zeitlosigkeit der anderen Welt.

Musizieren ist daher auch eine Form der Meditation. Genau genommen: Es gibt so viele Formen dieser Meditation, wie es Weisen des Musizierens gibt, nach Noten oder ohne Noten, gemeinsam oder allein, im Spielen einzelner Töne (wie oft am Anfang deines Instrumentalunterrichts), beim Chorgesang oder auch nur beim Mitsingen eines Liedes aus dem Radio. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist das Atmen. Eine Musik, die nicht atmet, könnte von Maschinen gemacht sein, und sie wird vom Hörer nicht gut aufgenommen. Wir strukturieren so etwas in uns, das unserem Bewusstsein möglicherweise gar nicht zugänglich ist, wobei jedoch wichtig erscheint, dass wir selber aktiv es tun. Oft ist uns ja bei unserem Erleben und Handeln gar nicht klar, wie weit wir dabei hinabreichen in archetypisches Erleben. Eine interessante Parallele zum Atmen beim Musizieren wird von indischen Asketen berichtet, die durch eine bestimmte Atemtechnik die „Zeit zum verschwinden bringen“ können. Es ist eine Meditation tantrischer Yogis, die darin besteht, den Atem zu strukturieren, um eine Tür zu öffnen, durch die der Yogi aus unserer Zeit heraustreten kann in die kosmische Zeit, die nicht „abläuft“, sondern „ist“. Mircea Eliade, dem ich diesen Hinweis verdanke, vergleicht das mit dem mythischen Bild des Eies, dessen Schale vom Buddha durchstoßen wird. „Dasselbe widerfährt dem Yogin, der seinen Atem ‚konzentriert‘: er durchstößt das Gehäuse seines Mikrokosmos, er tanszendiert die bedingte Welt, die in der Zeit existiert.“ ((Eliade, Mircea (1952), Ewige Bilder und Sinnbilder, Insel 1998, S. 100))

Unser Musizieren hat oft einen anderen sozialen Aspekt: Man trifft sich, und man tut etwas gemeinsam, was sichtlich keinen anderen Zweck erfüllt, als Freude zu machen. Man muss (oder darf – wie beim meditieren) nicht allzu viel dabei denken oder reden. Die Musik ist eine „Sprache ohne Worte“, selbst wenn dabei Worte gesungen werden.

Bei uns heute wird wenig gesungen, vielleicht wegen des Missbrauchs der alten Lieder in den totalitären Systemen der Nazizeit oder der DDR, oder weil sie dem Lebensgefühl heute nicht mehr entsprechen. Es gibt jedoch kulturelle Orte, in denen gesungen wird: Die Kirchen und Chorgemeinschaften. Jeder Chorsänger weiß es: Dem gemeinsamen Singen einer Bach-Motette oder des Mozart-Requiems ist nichts vergleichbar. In dem wogenden Klang die eigene Stimme zu verfolgen und beizutragen zum Tanz der Melodien und Harmonien ist wie ein Abglanz einer anderen Welt, in der jede einzelne Stimme zählt. Daher kommt es auch, dass diese Musik nicht kompromittiert und nicht kompromittierbar ist: Mit Bach hat sich noch kein Diktator wirklich schmücken können. Es liegt das in der polyphonen Struktur dieser Musik begründet, und sicher ist es kein Zufall, dass das polyphone Singen kulturgeschichtlich mit Gemeinschaft zu tun hat, vor allem der Entwicklung demokratischer Gesinnung in den freien Städten des Mittelalters. ((Rasche, Jörg, Das Lied des Grünen Löwen. Musik als Spiegel der Seele, Patmos/Walter 2004, pass.))

„Das stillvergnügte Streichquartett“, zu dem man ein Mal in der Woche zusammenkommt, kann eine Oase des Friedens und des Humors werden. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile – diese Erfahrung hilft und stimuliert die Vorfreude auf das gemeinsame Musizieren und das Üben zu hause. Es schult die Konzentration, die Rücksichtnahme, die sog. „Soziale Intelligenz“ (das ist kein musikalischer Ausdruck) ebenso wie die Fingerfertigkeit, die rhythmische Sicherheit, und erneuert regelmäßig die Erfahrung, dass man sich dafür auch die Zeit nehmen und eine Verabredung treffen muss. Viele kluge Leute mit einer reichen Persönlichkeit haben so musiziert, ohne daraus einen Beruf zu machen, von Friedrich dem Großen bis zu Einstein oder Max Planck. Das Streben nach Vollkommenheit, in welchem Rahmen auch immer, hat dabei einen transzendenten Aspekt, den man leicht vergisst, weil Musik eben davon nicht spricht, sondern musiziert.

Ich möchte abschließend darauf eingehen, weil es eine Brücke zum Ausgangspunkt dieser Überlegungen bildet. In den Musikstücken, auch denen eines „stillvergnügten Streichquartetts“, geht es in der Tiefe um große Themen, die man so durcharbeitet, ohne es eigentlich zu wissen. Die große Literatur ist ja auch nicht als Selbstzweck oder für den Markt geschrieben worden, sondern aus einem Bedürfnis heraus, dem inneren Drang und der Gabe, existentielle Probleme in eine musikalische Form zu bringen. Komponieren ist, genauso wenig wie Musizieren, eine Pathologie, sondern ein bestimmter Weg, die eigene Individuation zu gestalten. Daran wiederum erfreut sich, würde Goethe sagen, der kosmische Geist. C. G. Jung hat einmal die „Kunst der Fuge“ von J. S. Bach als „aufgeschriebene aktive Imagination“ bezeichnet, wie sie einen Menschen schöpferisch mit den Kräften des eigenen Weges verbinden kann. Musikstücke sind Antworten auf Fragen, wobei den Komponisten eben mehr oder weniger einfällt. Die Fragen, um die es geht, beschäftigen uns alle.

Ich hatte eingangs vom memento mori gesprochen und davon, wie Musik die Zeit zum Verschwinden bringen kann. Diese Aufgabe, wenn man so will, ist der Musik erst im Laufe unserer Kulturentwicklung zugewachsen, nämlich in der Neuzeit, die etwa seit 1200 eine neue Qualität der „Zeit“ gebracht hat. Die Menschen des Mittelalters vorher musizierten, ähnlich wie in der Antike, in einer zeit- und geschichtslosen Gegenwart, nämlich dem Reich Gottes auf Erden. Die Musik bildete die göttliche Ordnung des Kosmos ab und war so ein Ausdruck der Sicherheit, dass im Grunde Alles auf der Welt seinen richtigen Ort hatte und Teil des Heilsgeschehens war. Mit dem Zusammenbruch des kirchlichen / ptolemäischen Weltbildes ist diese geordnete Welt aus den Fugen geraten und zusammengebrochen, und wir haben gewissermaßen bis heute den Schock nicht überwunden, erkennen zu sollen, dass wir sinn- und zwecklose Lebewesen auf einem zufälligen Planeten sind, der durch ein sich ausdehnendes Weltall rast, und dass da kein guter Gott im Himmel ist, oder überhaupt nicht existiert, wenn nicht in uns selber. Johannes Kepler (der schrieb, dass die Planeten „musizieren“, und der deren „Partitur“ rekonstruierte) oder J. S. Bach waren noch erfüllt vom alten Geist. In der Musik Bachs finden wir etwas wieder von jener verlorenen Geborgenheit, die nicht unsere jagende Zeit kennt, und man hat gesagt, dass sich mit Bach die Religion, aus der ratlosen Theologie, in die Musik „gerettet“ habe. Doch kein Orgelkonzert und keine H-Moll-Messe können darüber hinwegtäuschen, dass unsere Welt mit ihren Kriegen, dem globalisierten Elend und den ökologischen Katastrophen in einen heillosen Zustand geraten ist, in dem sich ein „stillvergnügtes Streichquartett“ seltsam ausnimmt. Das ist mir klar. Und doch hat Musik hier etwas zu sagen, das zur Genesung beitragen mag.

Im Werk eines der wichtigsten Theologen unserer Zeit, nämlich Karl Barth, steht Musik an besonderer Stelle. Es ist Mozart, dessen Musik Barth in seiner „Kirchlichen Dogmatik“ als eine große Theodizee bezeichnet. Ich zitiere Jakob Taubes, der über die Theologie nach der kopernikanischen Wende und insbesondere über Karl Barth gearbeitet hat. „Warum gehört Mozarts Musik in die Theologie, obgleich Mozart weder ein ‚Kirchenvater‘ noch ein besonders beflissener Christ war? Weil Mozarts Musik (so Barths Antwort) eine große Theodizee ist. Er hat etwas davon gewusst, dass die gesamte Schöpfung gut ist (…) Er fand Frieden mit Gott, einen Frieden, der höher ist denn alle lobende, tadelnde, kritische oder spekulative menschliche Vernunft. Mozart lässt uns in seiner Musik ‚hören‘, was wir am Ende unserer Tage sehen werden: Die Fuge der Ko-ordination, die wieder zusammen gefügte Welt.“ ((Taubes, Jacob, Vom Kult zur Kultur, Wilhelm Fink verlag 1996, S. 224)) Genau das ist es, was Musizieren erleben lässt, ob wir es jetzt selber gestalten, oder ob wir andere beim musizieren erleben. Es ist ein Trost, bei dem wir mithelfen können in der Hoffnung, die Welt (so weit wir reichen können) ein wenig wieder zusammen zu fügen.
Karl Barth selber ((in: Kirchliche Dogmatik, zit. nach Taubes, a.a.O. S. 225)) schreibt über Mozart, und er erfasst damit wesentliches auch von der Heilsamkeit des Musizierens:

„Er hat den Einklang der Schöpfung gehört, zu der auch das Dunkel gehört, in welcher aber auch das Dunkel keine Finsternis ist, auch der Mangel, der doch kein Fehler ist, auch die Traurigkeit, die doch nicht zur Verzweiflung werden kann, auch das Düstere, das noch nicht zur Tragik entartet, die unendliche Wehmut, die doch nicht unter dem Zwang steht, sich selbst absolut setzen zu müssen – aber eben darum auch die Heiterkeit, aber auch ihre Grenzen, das Licht, das darum so strahlt, weil es aus dem Schatten hervorbricht, die Süßigkeit, die auch herbe ist und darum keinen Überdruss nach sich zieht, das Leben, das das Sterben nicht fürchtet, aber sehr wohl kennt.“