C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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»Wann ist ein Mann ein Mann?« Altes und neues Verständnis des Männlichen (Vortrag)

26. April 2014 - 15:00 Uhr
Ev. Kirchenforum (Parochialkirche), Klosterstraße 66, 10179 Berlin
ReferentIn: Dr. med. Jörg Rasche

Zu seinem Vortrag schrieb uns Dr. Rasche:
»In Deutschland lebt bald nur noch jedes zweite Kind mit seinem Vater zusammen. Verschwinden die Väter? Der Vater ist einer der großen Steinbrüche unserer Kultur – nur noch wenige Steine sind übrig.

Doch auch andere archetypische Facetten des Männlichen sind ständiger Kritik und Infragestellung unterworfen: Der männliche Partner der Frau, der Bauer, der Jäger, der Handwerker, der Heiler, der Weise, der Krieger, sogar der Liebhaber. Der Held taucht bei uns fast nur noch im Kino auf, und dort oft als Karikatur. Kinder, die ohne Väter aufwachsen, beschreiben ihre Welt später oft als verschwommen und konturlos – dazu passen die Jugendlichen, die im Internet herumirren wie Schiffbrüchige. Pseudoväter haben dann leicht Konjunktur. Kinder brauchen Väter wie der Fisch das Wasser und um sich in der Welt zurecht zu finden. Dazu gehören auch die anderen Männer, die zu sich stehen und Verantwortung übernehmen.

Die Ursachen für eine solche Entwicklung sind vielschichtig. Auch viele Frauen sind daran nicht unbeteiligt – „male bashing“ ist eine feministische Modeerscheinung. Eine Neubestimmung des Männlichen wird aber nur im Zusammenwirken der Geschlechter möglich sein. Auch die weibliche Seite könnte davon profitieren.

Im Vortrag werden neue Auffassungen des Männlichen zu älteren (traditionellen und archetypischen) Auffassungen in Beziehung gesetzt. Vorgestellt wird ein Kompass des Männlichen, der dabei helfen kann, sich als männliches Wesen zu orientieren. Es geht beim individuellen Schicksal auch immer um Zeitgeist, um Geschichte und um Strömungen im kollektiven Unbewussten. Hier ergeben sich erhellende Zusammenhänge und unerwartete Perspektiven.«

Zur Person:
Dr. med. Jörg Rasche, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse, Psychotherapie, arbeitet seit 30 Jahren als Kinderpsychiater in Berlin. Dozent an den Jung-Instituten Berlin und Zürich. Sein erstes Buch zum Thema ist von 1985: „Prometheus. Der Kampf zwischen Sohn und Vater“ (zu lesen unter: www.opus-magnum.de).

Weitere Literatur:
W. Hollstein: Was vom Manne übrig blieb – das missachtete Geschlecht (2008/2013); Robert Bly: Eisenhans. Ein Buch über Männer (1990/2011);

Sören Kierkegaard: Das Tagebuch des Verführers (in: Entweder-Oder 1843/2005); B. Zilbergeld: Die neue Sexualität der Männer (1994)