C.G. Jung Gesellschaft Berlin
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Antigone lebt – Zum Phänomen des höheren Gewissens

10. Oktober 2026 - 10:00 Uhr
Evangelisches Kirchenforum Stadtmitte an der Parochialkirche, Klosterstr. 66, 10179 Berlin
Referent: Stephanie Kissel, Claudia Obst, Beate Kortendieck-Rasche, Dr. Alfred Messmann

Die Eröffnung des neuen Studienjahres 2026 / 27:

 

Antigone lebt –
Zum Phänomen des höheren Gewissens

Frauen im Widerstand: Käthe Kollwitz, Petra Kelly und Carla Hinrichs (Sprecherin der «Letzten Generation») – Ein Beitrag zur Herausbildung des politischen Selbst

Samstag 10.10.2026,
10-17 Uhr

im Evangelischen Kirchenforum Stadtmitte an der Parochialkirche, Klosterstr. 66, 10179 Berlin
U Klosterstraße / U+S Jannowitzbrücke

Teilnahmegebühr 30 / 20 / 10 Euro
(Gäste / Mitglieder / Studenten, andere)

Antigone ist in der Tragödie von Sophokles die erste größe Empörerin gegen die Gefangennahme des persönlichen Gewissens. Bis heute hat dieser von Antigone getragene Gewissenskonflikt zwischen der Staatsräson und der tiefen ethischen inneren Instanz nichts an seiner Gültigkeit verloren. „Antigone lebt“, das heißt: Menschen im Widerstand – so auch die Frauen, die wir in diesem Seminar vorstellen – folgen nicht den Konventionen ihrer Zeit; sie spüren aus der Tiefe ihrer Psyche, dass mit den Verhältnissen, in denen sie leben, etwas zutiefst nicht stimmt. Sie sind Mahner*innen, folgen ihrem Gewissen und wählen den zivilen Ungehorsam, um ohne Gewalt auf Gefahren, Risiken und die Missstände ihrer Zeit aufmerksam zu machen.

Den drei hier vorgestellten Frauen im Widerstand wird Stimme gegeben: die Regisseurin Stephanie Kissel wird zentrale Motive und Szenen in einer Theaterperformance nach «Antigone» vortragen, dann auch die Politikerin Petra Kelly vorstellen, die zu den Mitbegründerinnen der Grünen in den 80er Jahren gehörte und mit dem Thema der Gewaltfreiheit in Verbindung mit zivilem Ungehorsam Aufsehen erregte. Aus dem Buch «Meine verletzte Generation» von Carla Hinrichs, der Sprecherin der Letzten Generation, wird die Gestalttherapeutin Claudia Obst zentrale Passagen lesen und zeigen, wie sich im Kampf mit der Klimafrage der zivile Ungehorsam weiter entwickelt hat. Die Frauenärztin und Paartherapeutin Beate Kortendieck-Rasche wirft anhand der Künstlerinnen-Biographie von Käthe Kollwitz einen Blick auf die dramatische Situation zur Zeit des Nationalsozialismus.

Obwohl die hier vorgestellten Frauenpersönlichkeiten zu ganz unterschiedlichen historischen Zeiten im Widerstand aktiv waren oder sind, ist ihnen doch eines gemeinsam: Es ist der Gewissenskonflikt der Antigone, der sie in den Widerstand treibt. Dr. Alfred Messmann wird unseren Blick darauf lenken, dass – mit C.G. Jung gesprochen – dieses Gewissen eine Sprachform unseres Selbst ist, das mit uns als innere Stimme, als Bild oder auch als Gefühl in Kontakt tritt und zu einer politischen Stellungnahme drängt. Die Mutigen unserer Zeit, die ihre innere Stimme im Außen erheben, leben daher im Mythos von Antigone.

In Gesprächsrunden haben wir als Teilnehmende viel Gelegenheit, uns in die Spur von Antigone zu begeben und, anhand des eigenen Gewissens, den Zusammenhang von Zeiterfordernis und Widerstand zu reflektieren.

Stephanie Kissel

studierte Anglistik, Romanistik und Theaterregie. Sie ist freie Regisseurin, Redakteurin und Autorin mit Schwerpunkt Audioproduktion. Als künstlerische Leiterin bei tonwelt Berlin realisiert sie seit vielen Jahren mehrsprachige Audio- und Multimedia-Inhalte im internationalen musealen Bereich. Der C.G. Jung Gesellschaft ist sie bekannt durch Lesungen, die sie seit 2020 in Zusammenarbeit mit Dr. Messmann realisiert.

Claudia Obst

ist Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkunde, Gestalttherapeutin und freischaffende Künstlerin. Seit 2011 verbindet sie in eigener Praxis Naturheilkunde und Gestalttherapie mit einem ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Als Künstlerin beschäftigt sie sich intensiv mit Kunst und Kunstgeschichte, insbesondere mit künstlerischen Ausdrucksformen, Biografien und gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Beate Kortendieck-Rasche

ist Frauenärztin, Paartherapeutin und Sandspieltherapeutin (DGST/ISST). Sie ist 1. Vorsitzende der C.G. Jung Gesellschaft Berlin.

Dr. Alfred Messmann

Erziehungswissenschaftler, ausgebildet in Kommunikationspsychologie und der Prozessarbeit nach A. Mindell (in Fortsetzung der Psychologie C.G. Jungs). Tätig als selbstständiger Coach und psychologischer Begleiter für Tiefenprozesse. Er ist Vorstandsmitglied der C.G. Jung Gesellschaft Berlin.

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